Tosende Wassermassen stürzen schäumend in die Tiefe, die Strahlen der Sonne brechen sich an dampfenden Wolken aus Wassertropfen, und plötzlich ist da ein Regenbogen, der schillernder nicht sein könnte – diesen einmaligen Moment hat Joo Rie Lee bei den beeindruckenden Victoriafällen an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia erlebt. Was das Ganze jedoch noch außergewöhnlicher macht: Sie konnte dieses Naturspektakel ganz für sich allein genießen und hat diesen besonderen Augenblick in einem Bild festgehalten. Im Gespräch berichtet sie, wie es im Zuge ihrer Reise durch Botswana und Simbabwe im Jahr 2021 zu diesem unvergesslichen Erlebnis kam.

Die Victoriafälle mit einem Regenbogen.

„Als ich Anfang Dezember 2021, einen Tag vor meinem Geburtstag, an der Grenzstadt Victoria Falls in Simbabwe ankam, fiel mir eines sofort auf: Der Ort wirkte wie leer gefegt. Wegen der Coronavirus-Variante Omikron, die zu dieser Zeit weltweit auf dem Vormarsch war, hatte die sonst so beliebte Stadt schwer mit dem Ausbleiben von Touristen zu kämpfen. Ich schien eine der wenigen Urlauber zu sein, die noch nicht Reißaus genommen hatten. Die vielen kleinen Hotels, Shops und Stände verrieten mir, dass diese Gegend nicht nur Naturfreunde, sondern auch viele Abenteuerurlauber anlockt – zumindest, wenn nicht gerade eine weltweite Pandemie wütet. Denn in normalen Zeiten hat Victoria Falls seinen Besuchern allerhand zu bieten: Bungeespringen von der 128 Meter hohen Eisenbahnbrücke, Wildwasser-Rafting auf dem Sambesi oder Ziplining-Abenteuer in schwindelerregender Höhe lassen den Adrenalinspiegel steigen.

Die Victoria Falls Bridge über dem Sambesi Fluss.

Mich hingegen lockte vor allem ein Naturphänomen: die spektakulären Victoriafälle, die seit 1989 zum Welterbe der UNESCO gehören. Als ich allein zu den Wasserfällen aufbrach, um ein paar Fotos zu schießen, wusste ich noch nicht, dass mich dort völlig unerwartet ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk erwarten würde. Auf einer Aussichtsplattform genoss ich zunächst die friedliche Natur und die tosenden Wasserfälle gemeinsam mit einer einheimischen Familie. Die Atmosphäre, die wir in dem Moment zusammen erleben durften, hatte etwas verbindendes – so verwundert es kaum, dass ich den Augenblick nicht nur bei einem spontanen Fotoshooting für die Familie festhalten durfte, sondern dass wir auch heute noch in freundschaftlichem Kontakt stehen.

Der menschenleere Pfad zu den Victoriafällen.

Nachdem sich die kleine Gruppe verabschiedet hatte, kam der Moment, den ich wohl nie vergessen werde: Mir wurde bewusst, dass ich nun mutterseelenallein vor diesem beeindruckenden Naturschauspiel stand. Ich saugte die Eindrücke in mich auf und fragte mich, wie viele Menschen wohl schon das Glück hatten, so etwas zu erleben. Ich wusste jedenfalls, dass Jack Ma, ein chinesischer Milliardär und Gründer der IT-Firmengruppe Alibaba, einst eine sehr hohe Summe zahlte, um die Victoriafälle ganz allein zu genießen. Ich hingegen hatte das Privileg, diesen besonderen Moment ganz umsonst erleben zu dürfen – ein Reiseerlebnis, von dem ich sicher noch lange berichten werde.“

Autorinnen: Joo Rie Lee und Kim Vattersen

Letzte Aktualisierung: 18. Juli 2022