450 Kilometer Schwimmen, 21.000 Kilometer Radfahren und 5060 Kilometer Laufen – in 430 aufregenden Tagen absolvierte der Extremsportler und Abenteurer Jonas Deichmann als erster Mensch einen Triathlon um die Welt. Bei seinem bislang herausforderndsten Projekt legte er schier unfassbare 120 Ironman-Distanzen zurück und stellte damit einen neuen Rekord auf. Welche einmaligen Momente er unterwegs erlebte, welche Tipps er für Abenteuer suchende Reisende hat und ob er auch einfach mal nur Urlaub macht, verrät er im Interview.

itravel: Sie waren 430 Tage unterwegs und sind Ende 2021 wieder in München angekommen – was haben Sie als Erstes gemacht, als Sie wieder zu Hause waren?

Deichmann: Als Allererstes habe ich mich rasiert, denn das habe ich die vergangenen 14 Monate nicht gemacht. Ich finde: Ein großer Abenteurer braucht auch einen großen Bart. Aber irgendwann war er dann doch einfach zu lang. Gleich danach habe ich natürlich Käsespätzle gegessen.

Was war der Anreiz für dieses außergewöhnliche Projekt, den Triathlon um die Welt? War es eher die sportliche Herausforderung oder auch der Wunsch, fremde Länder kennenzulernen?

Klar bin ich auch Leistungssportler, aber viel mehr noch Abenteurer. Für mich sind die sportliche Leistung und der Rekord am Ende ein Bonus. Es macht mir Spaß, auf ein großes, schwieriges Ziel hinzuarbeiten, da bin ich auch ehrgeizig. Aber ich finde, der Weg dorthin ist das Ziel. Meist sind die kleinen Erlebnisse entlang des Weges – besondere Naturerlebnisse oder das Kennenlernen fremder Kulturen – das Besondere. Nachts auf dem zugefrorenen Baikalsee in Russland zelten oder meine Begegnungen mit den vielen verschiedenen Menschen in Mexiko – genau dafür mache ich das.

Ihr Triathlon hat Sie durch viele verschiedene Länder wie Kroatien, Russland und Mexiko geführt. Wie haben Sie die Route zusammengestellt?

Von der Länge her habe ich mich sowohl beim Laufen und Radfahren als auch beim Schwimmen an den Ironman-Distanzen orientiert – nur eben in 120-facher Ausführung. Ein kritischer Punkt war dabei das Schwimmen, denn es ist unmöglich, gegen die Strömung zu schwimmen. Da gibt es ohnehin nur wenige Orte, wo das über diese Distanz und in die richtige Richtung überhaupt möglich – und vor allen Dingen nicht lebensgefährlich – ist. Dieser Aspekt war also mehr oder weniger vorgegeben, der Rest wurde dann von der Corona-Pandemie diktiert. Meine ursprüngliche Route ging von der Türkei aus weiter durch Iran, Pakistan und Indien, doch diese Grenzen waren alle geschlossen. Daher bin ich dann auf Russland ausgewichen. Laufen wollte ich eigentlich durch die USA, von San Francisco nach New York. Doch weil man mich nicht reingelassen hat, bin ich in Mexiko gelandet.

Man muss unterwegs flexibel bleiben, das kann man aus Ihrem Abenteuer auf jeden Fall mitnehmen. Gibt es denn unter all diesen Ländern, in denen Sie jetzt waren, eines, in das Sie gern für ein weiteres Abenteuer zurückkehren würden?

Ganz viele! Ich durchquere die Länder ja häufig recht schnell, für mich ist das immer wie eine erste Entdeckungsreise. Bei manchen Ländern habe ich dann das Gefühl, schon genug gesehen zu haben, andere möchte ich noch einmal mit Zeit und ohne Druck entdecken. Zu Letzteren gehört ganz klar Mexiko, ein für mich ganz besonderes Land. Auch Montenegro, Albanien und die Türkei fand ich wunderschön. Bei vorherigen Reisen habe ich mein absolutes Lieblingsland entdeckt: Peru – ein Traum.

Also reisen Sie tatsächlich auch mal nur zum Vergnügen, oder ist es doch meistens mit einer sportlichen Herausforderung verknüpft?

Ich mache auch Urlaub, klar. Aber dann gehe ich trotzdem radeln oder laufen, nur ein bisschen kürzere Distanzen. Nur am Strand zu liegen, das kann ich nicht, da wird mir nach einem Tag langweilig. Also einen All-inclusive-Urlaub plane ich definitiv nicht.

Was meinen Sie, woher kommen diese Reiselust und der große sportliche Ehrgeiz?

Ich bin gewissermaßen so aufgewachsen. Mein Opa war Schlangenfänger in Afrika, da war ich schon als Kind öfter zu Besuch. Wir haben mit der Familie auch nie Hotelurlaub gemacht, sondern waren immer in den Bergen oder am Meer zelten. Außerdem habe ich in meiner Jugend Leistungssport betrieben, daher kommt vielleicht der Ehrgeiz. Auch mein Studium habe ich komplett im Ausland absolviert und bin viel herumgekommen. Meinen Bachelor habe ich in Schweden gemacht mit einem Auslandssemester in Brasilien und Singapur, meinen Master anschließend in Dänemark und Indien. Währenddessen hatte ich viel Zeit, aber kein Geld und wollte unbedingt die Welt sehen. Da dachte ich: Warum mache ich das nicht auf dem Fahrrad? Daraufhin bin ich einmal um die Welt geradelt. Dabei habe ich noch keinen Rekord aufgestellt, es war einfach ein großes Abenteuer. Seitdem möchte ich nichts anderes mehr machen.

Sind Sie nie von Heimweh geplagt?

Nein, Heimweh habe ich nie. Eher andersrum: Wenn ich zu Hause bin, habe ich Fernweh. In der Natur bin ich zu Hause, ganz egal, wo auf der Welt das ist – ob in der mexikanischen Wüste oder auf einem Berg irgendwo in den Anden.

Sie lernen die Welt ja auf sehr besondere Weise kennen. Haben Sie einen Tipp für alle, die keine Extremsportler oder großen Abenteurer sind, um bei einer Reise Land und Leute auf authentische Weise kennenzulernen?

Viele Urlauber wählen beispielsweise in Mexiko Orte wie Cancún oder Playa del Carmen. Das ist aber nicht das wahre Mexiko, sondern eine Touristenhochburg, die wenig mit dem Land zu tun hat. Ähnlich ist es in vielen Gegenden auf der Welt. Ich finde, man muss dorthin, wo Touristen normalerweise nicht hinkommen, wenn man wirklich etwas vom Land sehen möchte. Und das erreicht man natürlich nicht über eine klassische Pauschalreise, sondern dadurch, dass man individueller unterwegs ist. Dafür ist zum Beispiel das Fahrrad wunderbar geeignet, man kann ja auch langsam und gemütlich radeln. Viele Menschen unternehmen auch eine Motorradreise oder eine geführte Wandertour. Es gibt viele Möglichkeiten, ein Land individuell zu bereisen.

Im Gespräch: Kim Vattersen & Jonas Deichmann

Letzte Aktualisierung: 29. April 2022

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In unserem Reisemagazin finden Sie das vollständige Interview. Hier spricht er darüber, welche Länder er einmal bereisen möchte, ob er schon Pläne für neue Projekte schmiedet, und warum jeder Mensch hin und wieder die persönliche Komfortzone verlassen sollte.

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Weitere Informationen rund um sein Buch „Das Limit bin nur ich“, den dazugehörigen Dokumentarfilm, der seit Mai 2022 in deutschen Kinos läuft, sowie seine motivierenden Vorträge finden Sie auf Jonas Deichmanns Homepage.

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