Sie sind die wohl berühmtesten Wasserfälle überhaupt: Die Niagarafälle an der Grenze zwischen Kanada und den USA. Viele Menschen denken daher automatisch, sie seien auch die größten Wasserfälle unserer Erde. Doch Überraschung: Die Niagarafälle sind weder die höchsten noch die breitesten weltweit. Ob sie die schönsten aller Kaskaden sind, liegt natürlich ganz im Auge des Betrachters. Schließlich gibt es weltweit zahlreiche andere, die einen Anspruch auf diesen Titel erheben. Wir stellen unsere persönliche Top 10 der spektakulärsten, schönsten und bekanntesten Wasserfälle vor und klären, welche denn nun wirklich die höchsten und breitesten der Welt sind.

Die Niagarafälle sind die meistbesuchten Wasserfälle weltweit.

Niagarafälle in den USA/Kanada – Die berühmtesten Wasserfälle

Sie sind weder die höchsten noch die breitesten Wasserfälle, dennoch sind sie ein Rekordhalter: Die Niagarafälle gelten als die bekanntesten und auch meistbesuchten Wasserfälle der Welt. Besucher im zweistelligen Millionenbereich bestaunen jährlich das Naturschauspiel – und das rund um die Uhr. Was viele nicht wissen: Die Niagara Falls bestehen eigentlich aus zwei Wasserfällen. Die bis zu 34 Meter hohen American Falls befinden sich auf der amerikanischen Seite, während die mit über 50 Metern noch höheren Horseshoe Falls zu Kanada gehören. Wenn es dunkel wird, werden die Sturzfluten bunt beleuchtet und erhellen die Nacht mit ihrer Farbpracht. Besonders beliebt sind Bootstouren, bei denen Besucher den tosenden Wassermengen ganz nah kommen und die Gischt im Gesicht spüren können. Im Gegensatz zu anderen Naturwundern sind die Niagarafälle übrigens sowohl von der kanadischen Seite als auch von verschiedenen Orten in den USA per Auto, Zug oder Bus sehr gut erreichbar. Kein Wunder, dass die Fälle sich jährlich mit Besucherzahlen im zweistelligen Millionenbereich rühmen können.

Das helle Blau der Havasu Falls und das strahlende Rot der Felsen bieten reizvolle Kontraste.

Havasu Falls in den USA – Wasserfall in der Felsenwüste Arizonas

Was könnte wohl skurriler sein als ein sprudelnder Wasserfall samt strahlend blauen Wasserbecken mitten in der Felsenwüste Arizonas? Die Havasu Falls liegen im Supai Village mitten im Grand Canyon und können ohne Zweifel als eines der atemberaubendsten Naturdenkmäler der USA bezeichnet werden. Der Havasu Creek stürzt hier etwa 30 Meter in die Tiefe und bildet eine Reihe natürlicher Pools. Wegen seiner hohen Kalk-Konzentration erscheint das Wasser darin in einem fast unwirklichen, funkelnden Blau, das in magischem Kontrast zu den roten Felswänden steht. Das Naturschauspiel lässt sich seinen faszinierenden Anblick von Urlaubern allerdings wortwörtlich mit Schweiß und Muskelkater bezahlen. Denn der Weg hierhin ist beschwerlich: Nur ein kräftezehrender Marsch von 17 Kilometern Länge über Stock und Stein führt zu den Wasserfällen – one way! Die insgesamt 34 Kilometer an einem Tag zu wandern, wird explizit nicht empfohlen. Zum Glück gibt es in der Nähe zwei Übernachtungsmöglichkeiten, die Reisende am besten im Voraus reservieren sollten. Es besteht theoretisch auch die Möglichkeit, per Helikopter oder auf dem Rücken eines Maultiers zu den Wasserfällen zu gelangen – beides wird jedoch nur nach Bedarf angeboten und ist zudem stark vom Wetter abhängig.

Die Wassermassen des Salto Ángel fallen 979 Meter in die Tiefe und machen ihn zum höchsten frei fallenden Wasserfall der Welt.

Salto Ángel in Venezuela – Die höchsten frei fallenden Wasserfälle der Welt

Verborgen im tiefsten Dschungel Venezuelas und deswegen deutlich weniger besucht als beispielsweise die Niagarafälle, braust der höchste frei fallende Wasserfall der Welt in die Tiefe: der Salto Ángel. Dieser stürzt unter lautem Getöse von einem riesigen Tafelberg 979 Meter hinunter. Kein Wunder, dass er von den Einheimischen auch „Kerepakupai merú“ genannt wird, was so viel wie „Das am tiefsten fallende Wasser“ bedeutet. Wer dieses Naturspektakel in Südamerika bestaunen möchte, muss eine recht beschwerliche Anreise auf sich nehmen: Denn über Land ist der Wasserfall nur über eine mehrstündige Bootsfahrt in Kombination mit einer anstrengenden Wanderung erreichbar. Dabei geht es durch dichten Dschungel und über tosende Flüsse – doch die Strapazen lohnen sich. Der majestätische Anblick des Wassers, das über die steile Felswand ins grüne Bett des Urwalds strömt, ist unvergesslich. Wer sich die Anstrengungen ersparen will – und bereit ist, ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen – kann den Salto Ángel bei einem Rundflug sogar aus der Luft bestaunen. Es gibt wohl ohnehin keine Perspektive, aus der dieser Wasserfall nicht atemberaubend aussieht.

Die Kaieteur-Fälle stürzen ohne Stufen fast 230 Meter in die Tiefe.

Kaieteur-Fälle in Guyana – Naturspektakel mitten im Dschungel

Der über 200 Kilometer lange Potaro-Fluss beschert dem südamerikanischen Naturparadies Guyana seine Hauptattraktion: die Kaieteur-Fälle. Der Fluss stürzt ohne Stufen und Terrassen von der Hochebene in das auf etwa Meereshöhe liegende Tiefland, wo er sich – flankiert von hohen, teils grün bewachsenen Felswänden – seinen weiteren Kurs durch das Tal bahnt. Dabei überwinden die Wassermassen einen Höhenunterschied von sage und schreibe knapp 230 Metern. Die Ursprünglichkeit der Umgebung prägt den Charme der Fälle, erschwert jedoch die Anreise beträchtlich: Da die Kaieteur-Fälle fernab jeglicher Zivilisation mitten im guyanischen Urwald liegen, wählen die meisten Besucher die Anreise in einem Propellerflugzeug. Restaurants, Cafés oder andere touristische Einrichtungen suchen Reisende hier ebenso erfolglos, lediglich einige Sitzgelegenheiten, eine Toilette sowie ein kleiner Shop mit traditionellen Handarbeiten finden sich im Besucherzentrum des Nationalparks. So nehmen jedes Jahr nur rund 9.000 Entdecker den abenteuerlichen Weg ins Landesinnere zum Kaieteur-Wasserfall auf sich – und werden dafür mit einem Reisehighlight belohnt, das sich wohl für immer in ihr Gedächtnis einbrennt.

Die Iguazú-Wasserfälle an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien gehören zu den bekanntesten Wasserfällen der Welt.

Iguazúfälle in Argentinien/Brasilien – Ein Weltwunder der Natur

Wer den Iguazú Nationalpark, der teilweise in Argentinien und teilweise in Brasilien liegt, besucht, wird sich nicht darüber wundern, dass er schon 1984 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen wurde. Im Herzen des Parks liegt eines der spektakulärsten Naturwunder Südamerikas: die Iguazúfälle. Sie bestehen aus 20 größeren und über 250 kleineren Wasserfällen und bringen es auf eine Ausdehnung von etwa 2,7 Kilometern. An manchen Stellen stürzt das Wasser bis zu 80 Meter in die Tiefe. Wir empfehlen bei einem Besuch der Wasserfälle auf jeden Fall beiden Seiten einen Besuch abzustatten. Denn die beiden Teile des Nationalparks haben jeweils ihren ganz eigenen Reiz. Einen spektakulären Panoramablick können Urlauber am besten auf der brasilianischen Seite erleben. Denn hier gibt es einen Weg mit verschiedenen Aussichtsplattformen, so dass einmalige Fotos der Wassermassen garantiert sind. Die argentinische Seite, auf der ein Großteil der Wasserfälle liegt, ist weitläufig und vielfältig. Auf den vielen Stegen kommen Besucher den Wasserfällen ganz nah, spüren die mächtigen Naturgewalten, atmen die feuchte Luft – und werden von der Gischt tüchtig nass gespritzt.

Der Wasservorhang der Victoriafälle beeindruckt Urlauber.

Victoriafälle in Simbabwe – Der größte zusammenhängende Wasservorhang der Erde

Simbabwe ist ein beliebtes Land für Safari-Touren. Kein Wunder, sind doch hier faszinierende Wildtiere wie Elefanten, Giraffen und Löwen zu Hause. Ein weiteres Highlight des Landes sollten sich Urlauber jedoch ebenfalls nicht entgehen lassen: die mächtigen Victoriafälle an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia. Die Victoriafälle im Fluss Sambesi zählen dank ihrer schier unglaublich breiten Ausdehnung seit 1989 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Sie sind insgesamt etwa 1.700 Meter breit und werden besonders in der Regenzeit ihrem Titel als „größter Wasservorhang der Erde“ gerecht. Welchem Umstand der Wasserfall seinen Spitznamen „Donnernder Rauch“ zu verdanken hat, ist Besuchern schnell klar: Der nasse Sprühnebel, der rund um die Wassermassen hunderte Meter in die Höhe steigt, ist sogar noch in 30 Kilometern Entfernung zu sehen. Wen wundert es da, dass der Missionar David Livingstone, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Fälle als erster Europäer sah, aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Noch heute kann jeder Besucher der imposanten Wasserfälle dieses Gefühl bestens nachempfinden.

Die vielen Kaskaden der Mekongfälle machen sie zum breitesten Wasserfall der Welt.

Mekongfälle in Laos – Breitester Wasserfall der Welt

„Vollmond-Stromschnelle“ – dieser poetische Name lässt schon erahnen, dass sich dahinter ein ganz besonderer Ort verbirgt. Die berühmten Mekongfälle verdanken diese stimmungsvolle Bezeichnung der deutschen Übersetzung ihres ursprünglichen Namens „Tok Khon Phapheng“. In der laotischen Provinz Champasak nahe der Grenze zu Kambodscha gelegen, sind die bekannten Wasserfälle eine der Top Sehenswürdigkeiten des Landes. Das liegt vor allem an den schier unglaublichen Ausmaßen der Stromschnellen. Auf einer Breite von mehr als 10 Kilometern sprudelt das Wasser teilweise bis zu 20 Meter in die Tiefe. Damit sind die Mekongfälle mit ihren vielen Kaskaden der breiteste Wasserfall der Erde und ein absolutes Must-See bei einer Reise nach Laos.

Die idyllischen Vinnufossen in Norwegen fallen über vier Stufen die Felswände hinunter und sind der höchste Wasserfall Europas.

Vinnufossen in Norwegen – Europas höchster Wasserfall

Auch Europa ist mit spektakulären Wasserfällen gesegnet. Die höchsten von ihnen sind die Vinnufossen – auch Vinnufallet genannt – in der Gemeinde Sunndal in Norwegen. Die Region wird nicht umsonst als „Königreich der Wasserfälle“ bezeichnet. Die Vinnufossen fallen über vier Stufen insgesamt beeindruckende 860 Meter in die Tiefe und bestechen im Vergleich zu vielen anderen Wasserfällen mit einem richtiggehend idyllischen Anblick. Besonders Naturfreunde, die weniger Wert auf die fast schon einschüchternden, tosenden Wassermassen anderer rekordverdächtiger Wasserfälle legen, sollten die Vinnufossen besuchen und sich in die ganz besondere Stimmung, die hier herrscht, verlieben.

Den Seljalandsfoss können Besucher ganz umrunden und durch den Wasservorhang schauen.

Seljalandsfoss in Island – Wanderung hinter den Wasservorhang

Island zieht Urlauber mit einer vielfältigen, mystischen Landschaft in seinen Bann. Hier gibt es mächtige Berge, lavaspeiende Vulkane, imposante Gletscher – und natürlich tosende Wasserfälle. Ein ganz besonderes Exemplar ist der Seljalandsfoss im Süden der Insel. Die Wassermassen, die in einer schmalen Kaskade etwa 65 Meter in die Tiefe stürzen, stehen auf der Bucket List vieler Island-Urlauber. Und das nicht erst, seit Justin Bieber hier sein Musikvideo zu dem Lied „I’ll show you“ gedreht hat. Denn der Seljalandsfoss punktet mit einer Besonderheit: Besucher können den Wasserfall auf einem Weg komplett umrunden und so das einmalige Gefühl genießen, hinter dem dichten Wasservorhang zu stehen und die Gischt im Gesicht zu spüren. Festes Schuhwerk und wasserdichte Kleidung sind hier zu empfehlen, sonst wird dieser besondere Spaziergang schnell zu einem nassen Vergnügen. Aufgrund seiner Nähe zur berühmten Ringstraße ist der Wasserfall gut zu erreichen und ein Naturwunder, das sich Island-Urlauber nicht entgehen lassen sollten.

Der 470 Meter hohe Röthbachfall ist ein Naturwunder in Bayern.

Röthbachfall in Deutschland – Der höchste Wasserfall des Landes

Wer nun denkt, eine Reise in ferne Länder sei immer notwendig, um einen spektakulären Wasserfall zu erleben, wird sich über diesen Tipp freuen: Der Röthbachfall im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land ist der höchste Wasserfall Deutschlands und durchaus einen Ausflug wert. Dieser Rekordhalter strömt in zwei Hauptstufen insgesamt etwa 470 Meter in die Tiefe und bietet damit selbst für das von Naturwundern verwöhnte Bayern einen ganz besonderen Anblick. Warum der Wasserfall trotzdem kein überlaufener Touristen-Hotspot ist, erklärt sich durch seine Lage. Um zum Röthbachfall zu gelangen, müssen Besucher zunächst am besten von Schönau aus per Schiff in etwa einer Stunde den malerischen Königssee überqueren. Dieser ist mit seinem fjordähnlichen Charakter schon eine Sehenswürdigkeit für sich. Nach dem Aussteigen an der Endhaltestelle Salet geht es noch rund drei Kilometer zu Fuß weiter. Dann erscheint langsam der Wasserfall in seiner ganzen Pracht im Blickfeld. Der Röthbachfall bietet ein Naturschauspiel der Extraklasse – und das sozusagen direkt vor der Haustür.

Autorin: Kim Vattersen

Letzte Aktualisierung: 24. September 2021