„Glück ist keine Station, bei der man ankommt, sondern eine Art zu reisen“, wusste schon die US-amerikanische Autorin Margaret Lee Runbeck Mitte des 20. Jahrhunderts. Wirklich glücklich ist demnach, wer nicht nur einzelne Momente des Hochs erlebt und akribisch versucht, diese festzuhalten, sondern wer durchgehend eine positive Haltung zum Leben hat. Doch wie gelingt das und wo leben die glücklichsten Menschen auf der Welt? Ob World Happiness Report oder der Rank Report of Average Happiness in Nations – eine Vielzahl an verschiedenen Umfragen beschäftigen sich mit diesen Fragen und küren regelmäßig die glücklichsten Länder der Welt.

Die Reihenfolge innerhalb der Ergebnisliste variiert immer leicht – je nachdem, wann, wen und wie man fragt. Doch: Egal, welche der Umfragen man als Basis heranzieht, letztendlich sind es immer dieselben Länder, die ganz vorne mit dabei sind. Aber was genau macht diese Menschen so glücklich? Sind es traditionelle Werte wie Respekt und Vertrauen? Oder eher Gelassenheit und persönliche Freiheit, die zu Glück und Zufriedenheit führen? Heute begeben wir uns auf eine interessante Reise zu jenen Völkern, die sich regelmäßig in der Liste der glücklichsten Länder der Welt finden und sind gespannt, was wir von ihnen lernen können.

Dänemark

Siehe da – unsere nördlichen Nachbarn gehören zu den glücklichsten Völkern der Welt! Kälteres Klima, rund 25 Prozent höhere Lebenshaltungskosten als Deutschland und enorme Steuersätze – woher kommt da das Glück? Als sogenannter Wohlfahrtsstaat ergreift Dänemark umfassende Maßnahmen, die das Wohlergehen seines Volkes auf materieller, sozialer und kultureller Ebene steigern sollen. Das Resultat sind eine fortschrittliche Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, eine kleine Einkommensschere und eine hohe Beschäftigungsquote. Bei all dem Wohlstand wird eine Sache dennoch tunlichst vermieden: Prahlerei. Statt Neid trifft man hier auf ehrlich gemeinte Freude füreinander und Doktor- oder Professor-Titel werden im gemeinsamen Gespräch gar nicht erwähnt. Bemerkenswert ist auch das gegenseitige Vertrauen: So ist es keine Seltenheit, im parkenden Auto den Schlüssel stecken zu lassen. Was soll schon passieren? Ob es Zufall ist, dass unser nördlichstes Bundesland Schleswig-Holstein, das sich mit Dänemark die Grenze teilt, das glücklichste von Deutschland ist? Es wäre doch schön, wenn etwas vom dänischen, „hyggeligen“ Glücksgefühl zu uns herüberschwappen würde.

Mexiko

Die Mexikaner haben sich in den letzten Jahren ordentlich nach vorne gearbeitet. Glück ist, wenn man trotzdem lacht – so könnte man deren Credo zusammenfassen. Denn obwohl, oder vermutlich gerade weil, der innerstaatliche Drogenkrieg das Land Anfang der 2000er-Jahre in einen Zustand der Angst versetzte, trotzten die Mexikaner diesem mit ihrer Warmherzigkeit und ihrer Lebensfreude, die in vielen Festen voller Musik, Tanz, Gesang und gutem Essen Ausdruck finden. Denn diese Lebensfreude hilft, zu überleben, sogar in den schlimmsten Situationen, sagt auch eine Mexikanerin im Interview mit Maike van den Boom, Autorin von „Wo geht’s denn hier zum Glück?“. Spüren lassen sich diese ungebrochene Lebensfreude und der Zauber des kulturell reichen Landes am besten auf einer Rundreise.

Glückliche Mexikaner beim Tanzen auf einem traditionellen Fest.

Kolumbien

Wir bleiben in Lateinamerika: in Sachen Glück und Zufriedenheit geben die Kolumbianer den Mexikanern die Klinke in die Hand. Das Land des Kaffees konnte sich in den letzten Jahren ebenfalls erheblich verbessern. Auch in puncto Lebensfreude stehen die Columbianos den Mexikanern in nichts nach. Und genau wie Mexiko hatte es auch Kolumbien definitiv nicht immer leicht. Noch immer denken Menschen heute zuerst an den Drogenbaron Pablo Escobar, andauernde interne Konflikte und Armut, wenn sie das Wort Kolumbien hören. Und trotzdem hat es dieses bezaubernde Volk geschafft, überdurchschnittlich glücklich zu sein. Die Gründe kommen uns bekannt vor: ein ausgeprägter Familiensinn, soziale Kontakte und ein Lebensgefühl, das nur so vor positiver Energie sprüht! Zudem begeistert das Land mit seiner landschaftlichen Vielfalt, die von Ozean über Bergketten bis hin zu Regenwald alles vereint. Lachenden Gesichtern begegnet man auf einer Rundreise durch Kolumbien garantiert.

Schweiz

Von lateinamerikanischer Überschwänglichkeit kommen wir zu höflicher Distanz und respektvoller Zurückhaltung: Mit der Schweiz schafft es ein weiterer deutscher Anrainerstaat regelmäßig in die Liste der glücklichsten Länder der Welt. Nicht streng von oben regiert, sondern ein freiwilliger, lockerer Verbund aus 26 Kantonen, die selbständig bestimmen – verhilft das zum Glück? Dass jeder so sein kann, wie er möchte, bei einem gleichzeitig hohen Bedürfnis nach Harmonie und Gerechtigkeit, ist den Schweizern sehr wichtig. Und wenn man stets darauf achtet, dass alle einverstanden sind und viele Entschlüsse per Volksentscheid getroffen werden, ist nur verständlich, dass die bekannten Schweizer Uhren immer ein bisschen langsamer zu ticken scheinen als in den umliegenden Ländern. Aber genau das macht unsere Nachbarn wohl aus.

Ein Wanderer in der Schweiz blickt auf den Matterhorn.

Finnland

Ähnlich wie die Schweizer würden auch die naturverbundenen Finnen wohl nicht überschwänglich herausposaunen, wie glücklich sie sind. Trotzdem fand sich Finnland in den letzten Jahren mehrmals in Folge auf dem ersten Platz der Länder mit den glücklichsten Menschen der Welt und damit nach Dänemark wieder ein Land, in dem es eher düster und kalt ist. Sonne satt und Flip-Flops das ganze Jahr über scheinen also nicht das Allheilmittel zum Glück zu sein – das wäre vielleicht auch zu einfach. Die Zurückhaltung hat viel mit Respekt füreinander zu tun, darin sind sich die Finnen einig. Seit den 2000er-Jahren sind die Finnen zudem jedes Mal einer der Spitzenreiter der PISA-Studie, bei der das Bildungssystem im internationalen Vergleich eingeordnet wird. Spannend auch, dass Finnland 2017 und 2018 als erstes Land der Welt in einem Experiment ein bedingungsloses Grundeinkommen auf gesamtstaatlicher Ebene getestet hat. Dies ist sicherlich auch ein gern gesehener Begleiter auf dem Weg zu mehr Zufriedenheit.

Island

Auch das kleine Island mit der Einwohnerzahl einer Großstadt, das spätestens seit der Fußball-Europameisterschaft 2016 an Popularität und Beliebtheit gewonnen hat, ist Heimat der glücklichsten Menschen. Raue, unbeugsame Natur und eine durchschnittliche Jahrestemperatur von rund fünf Grad Celsius – warum ist man hier so glücklich? Nun, die isländische Regierung ist bemüht um das Wohl ihres Volkes und versendete vor einigen Jahren an jeden Bürger ein kleines Präsent zu Weihnachten mit den „10 Geboten des Wohlbefindens“. Dass Island 2021 das zwölfte Mal in Folge Platz 1 beim Global Gender Gap Report belegte, spielt sicher auch keine unerhebliche Rolle. Und wer sich nun immer noch fragt, weshalb die Isländer so zufrieden mit ihrem Leben sind, schlendert am besten einmal die kleinen Gassen Reykjavíks mit den niedlichen, bunten Häuschen entlang und unterhält sich mit den Menschen, die von den engen sozialen Beziehungen und ihrem Zusammenhalt als Nation schwärmen.

Glückliche Menschen in einer heißen Quelle in Island.

Costa Rica

„Pura Vida!“ – wer nach Costa Rica reist, kommt an diesem Ausdruck nicht vorbei. Dabei handelt es sich um eine euphorische Begrüßung, einen Zuruf zum Abschied oder auch um einen beliebten Slogan, der jegliche Souvenirs ziert. Jedoch ist der Begriff so viel mehr als eine Floskel: Pura Vida, wörtlich übersetzt „das reine Leben“, ist Ausdruck der ganzen Lebensart der Costa Ricaner, die unter anderem geprägt ist von jeder Menge Gelassenheit, einem starken Familienzusammenhalt und engen sozialen Beziehungen. Das fortschrittliche Land in Mittelamerika schaffte bereits in den 1950er-Jahren seine Armee ab und investierte die dadurch freigewordenen Mittel lieber in Bildung und Gesundheit – eine sinnvolle Entscheidung. Eine zudem äußerst umweltfreundliche Politik hat dazu geführt, dass Costa Rica heute eines der artenreichsten Länder der Welt ist, in dem fast 30 Prozent der Fläche unter Naturschutz stehen. Verschiedene Wildkatzenarten, Meeresschildkröten, Affen und Faultiere fühlen sich hier wohl. Kein Wunder, dass das Land auf Ökotourismus baut. Neugierig Gewordene erleben Pura Vida am besten auf einer Costa Rica Rundreise, die die Highlights des Landes vereint. Anschließend versteht wohl jeder, warum dieses entspannte Volk zu den glücklichsten Ländern der Welt gehört.

Kanada

Schneebedeckte Gipfel, dunkelgrüne Nadelwälder, tiefblaue Bergseen und rot leuchtende Ahornblätter – Assoziationen, die uns sofort in den Sinn kommen, wenn wir an Kanada denken. Dieses Land, etwa vierzig Mal so groß wie Deutschland, wurde früh geprägt von zahlreichen Einwanderern verschiedenster Länder. So sind ein wohlwollendes Miteinander, Konfliktvermeidung und ein rücksichtsvoller Umgang auch mit Fremden heute wichtige Bestandteile der Mentalität der Kanadier. Was sie sonst noch glücklich macht, sind die schönen Dinge im Leben, die Freude bereiten, wie leckeres Essen, ein gutes Glas Wein oder Zeit in der Natur. Die Wirtschaft ist stabil, es wird fleißig gearbeitet und trotzdem nehmen sich die Kanadier gerne eine Auszeit von alledem – sie scheinen die perfekte Balance gefunden zu haben! Am besten erkundet man die Weite des zweitgrößten Landes der Erde auf einer abwechslungsreichen Rundreise.

Eine Gruppe beim Wandern an einem Bergsee in Kanada.

Norwegen

Mit Norwegen reiht sich schon wieder ein Land aus Skandinavien in die ewige Liste der glücklichsten Länder der Welt. Irgendwas scheinen die Skandinavier richtig zu machen… Ist es das hohe Level an Vertrauen, das man sich entgegenbringt, auch wenn man sich nicht kennt? Der starke Zusammenhalt oder das enorme Freiheitsbewusstsein bei gleichzeitig großem Respekt vor den Mitmenschen? Vermutlich von allem etwas. Insbesondere die Norweger sind dafür bekannt, trotz des Reichtums ihres Landes, der im Fund einer der weltweit größten Erdölquellen in den 1970er-Jahren gründet, bescheiden zu sein. Und dies sieht nicht nur die Bevölkerung so, sondern wird von der Regierung vorgelebt: Anstatt die neuen Reichtümer sofort auszugeben, wurden diese in einem Fonds angelegt, sodass auch künftige Generationen davon profitieren können. Ähnlich wie Island ist auch Norwegen Vorreiter, wenn es um Gleichberechtigung geht. So ordnete Norwegen bereits 2008 an, dass alle Posten in Aufsichtsräten zu 40 Prozent mit Frauen zu besetzen seien. Und wie wir das bereits von den anderen skandinavischen Ländern kennen, tun lange, dunkle Nächte, die man auf gemütliche Weise mit seinen Liebsten verbringt, ihr Übriges.

Autorin: Lisa Pierstorf

Letzte Aktualisierung: 18. März 2022