Die Wunder dieser Welt mit eigenen Augen sehen – dafür reisen wir. Doch bedeutet dies nicht allein das Eintauchen in exotische Landschaften, lebhafte Städte und fremde Kulturen – auch die Tierwelt des jeweiligen Landes kennenzulernen, gehört zum Reisen dazu. Leider wartet im Ausland auf Urlaubende so manche Stolperfalle, die unter dem Deckmantel des Tierschutzes und aus missverstandener Tierliebe in Wahrheit Tierquälerei unterstützt. Was sollten Reisende also beachten, wenn sie während ihres Urlaubs die Nähe zur dortigen Tierwelt suchen? Und welche Touristenattraktionen sind in Sachen Tierschutz im Urlaub längst nicht mehr zeitgemäß?

Augen auf beim Souvenirkauf

Könnte man die ausgelassene Urlaubszeit doch irgendwie mit nach Hause nehmen, um noch lange davon zu zehren! Diesen Gedanken kennen wohl alle Reisenden und greifen daher gern zu Souvenirs. Doch so groß die Freude über Souvenirs bei Urlaubenden wie mit Andenken Beschenkten auch ist, so wenig freudig ist oft die Hintergrundgeschichte der beliebten Mitbringsel: Denn für den Souvenirhandel lassen beispielsweise jedes Jahr Millionen Meerestiere ihr Leben. Neben Schneckenhäusern, Muscheln oder etwa getrockneten Seepferdchen liegt in einigen Ländern sogar Schmuck aus Haizähnen oder Korallen auf dem Verkaufstisch – und ahnungslose Urlaubende greifen zu. Doch spätestens, wenn der Zoll Bußgeld oder Strafanzeige erhebt, wird klar, dass für das Souvenir eine geschützte Tier- oder Pflanzenart sterben musste. Besonders das Seepferdchen ist bedroht: Erschreckende 25 Millionen Exemplare werden für die Souvenir-Industrie getötet. Auf der sicheren Seite sind Reisende, die Tierschutz im Urlaub betreiben möchten, dagegen meist mit Kunsthandwerk. Wird das Souvenir auch noch aus recycelten Materialien hergestellt, können Urlaubende so gleichzeitig Umweltschutz und soziale Projekte unterstützen – und mit einem guten Gewissen in die Heimat zurückkehren.

Eine Frau kauft Souvenirs im Urlaub.

Gefährdete Tiere gehören nicht auf den Teller

Der Wunsch, einen rundum authentischen Einblick in die Kulturen des Urlaubslandes zu erleben, treibt viele Reisende dazu, auch vor exotischen Tieren auf dem Teller nicht haltzumachen. Wenn bei der örtlichen Bevölkerung also Walfleisch, Froschschenkel oder etwa Haiflossen auf dem Speiseplan stehen, dann schlagen so manch experimentierfreudige Herzen gleich etwas höher. Manchmal bewegt aber auch die Angst, durch Ablehnen als unhöflich zu gelten, Urlaubende dazu, derartige Delikatessen zu probieren, auch wenn das erste Bauchgefühl bereits laut Nein schreit – und damit meistens recht hat. Denn mit dem Walfleisch, das etwa in Norwegen und Japan verzehrt wird, unterstützen Touristen auf direktem Weg den Walfang. Von dem als „lokale Spezialität” angepriesenen Walsteak sollten Reisende also beispielsweise lieber ein paar Schritte zurücktreten, statt genüsslich hineinzubeißen. Und auch hier sollte eine Kehrtwende her: Für die traditionell asiatische Haifischflossensuppe, die bei Touristen und Touristinnen sehr beliebt ist, müssen Millionen von Haien ihr Leben lassen und werden zuvor oftmals auch noch schrecklich gequält. Teils wird ihnen bei lebendigem Leib die Flosse abgetrennt. Auch Länder wie Korea und China sind in Sachen Tierschutz nicht gerade Vorbilder: Hier wird unter anderem Fleisch angeboten von Tieren, die zuvor in winzigen Käfigen ihr Dasein fristeten. Es gilt also festzuhalten, dass sich ein genauer Blick auf den Teller lohnt – und auch ein Blick über den Tellerrand hinaus, gerade wenn es gefährdete Tierarten betrifft.

Nein zu Tiershows

Spaß auf der Bühne, Qual hinter den Kulissen: Tiershows sind immer noch sehr beliebt. Doch viele von diesen sind fragwürdig, und niemand, der schon einmal einen Blick hinter die Kulissen ebendieser geworfen hat, würde zu einer solchen Show ein zweites Mal gehen. Denn nicht nur werden die Tiere häufig katastrophal gehalten – auch die Dressur gleicht einer Tragödie. Damit die Tiere sich dem Willen der Menschen unterwerfen, schrecken Trainierende nicht selten vor Gewalt zurück – Gewalt, die sich auf der Bühne nahtlos fortsetzt: Denn obgleich Elefanten, Delfine oder Affen vor den Augen der Zuschauer ein possierliches Bild abgeben mögen, täuscht der erste Eindruck: Die Lärmkulisse, das grelle Licht und die Anwesenheit der vielen Menschen verursachen Stress bei den Tieren, den sie oft mehrmals täglich über sich ergehen lassen müssen. Ein gravierendes Beispiel für derartige Tierquälerei auf der Bühne sind die in Thailand bekannten sogenannten Orang-Utan-Boxen, bei denen die Menschenaffen im Boxring gegeneinander antreten müssen. Mindestens genauso bekannt ist das Delfin-Schwimmen in Delfinarien. Als wäre es nicht genug, dass die empathischen Meeressäuger für diese Touristenattraktion in oftmals winzigen Becken gehalten werden, in denen ihre natürlichen Verhaltensweisen verkümmern, schauen sie zudem oft auf eine grausige Vergangenheit zurück. Denn viele Delfine werden auf brutalen Treibjagden gefangen genommen. Tierschutz im Urlaub und inszenierte Tiere im Scheinwerferlicht – das passt einfach nicht zusammen. Und sind wir mal ehrlich: Macht es nicht viel glücklicher, Tiere in freier Wildbahn, beispielsweise auf einer respektvollen Safari, zu beobachten, denen es in ihrem natürlichen Lebensraum gut geht?

Ein Elefant im Zirkus.

Wildtier-Auffangstationen genau unter die Lupe nehmen

Der Gedanke, Tierschutz im Urlaub zu unterstützen, lotst viele in Wildtier-Auffangstationen oder spezielle „Waisenhäuser” für Tiere – leider wissen dies auch die Leitenden dieser oft selbst ernannten Institutionen. Besonders gefährlich sind die sogenannten Elefanten-Refugien, in denen die sanften Dickhäuter ihr Dasein auf kleinstem Raum und oft tags und nachts angekettet fristen. Doch wie können kommerzielle Institutionen, denen am Geld mehr liegt als am Wohl der Tiere, von seriösen Vertretern unterschieden werden? Seriöse Auffangstationen sehen Tiere als das, was sie sind – und nicht als Unterhaltung in Tiershows oder als tierische Trekking-Begleitung. Ein weiteres Merkmal, anhand dessen am Tierwohl orientierte Wildtierstationen erkannt werden können, ist, dass diese aktiv Nachwuchs verhindern und so gewährleisten, dass den Tieren zu jeder Zeit der ihnen gebührende Platz zur Verfügung steht. Generell sollte die Unterkunft der Tiere in Auffangstationen nicht nur großzügig, sondern auch ihrem natürlichen Habitat entsprechend eingerichtet sein. Skepsis ist immer dort angebracht, wo der direkte Kontakt mit den Tieren angeboten wird. Selbst das Angebot, die Tiere streicheln oder füttern zu dürfen, lässt meist schon auf eine kommerziell ausgerichtete Einrichtung schließen. Denn wie sollen die Tiere wieder ausgewildert werden, wenn sie ihre natürliche Scheu gegenüber uns Menschen verloren haben?

Problemfeld Zoos

Für viele Menschen ist der Besuch im Zoo immer noch eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Kein Wunder, geht er doch oft mit dem Gefühl einher, an einem Tag um die Welt gereist zu sein. Urlaubende, die sich für einen Zoobesuch entscheiden, sollten sich im Vorfeld jedoch ausreichend über die dortigen Haltungsbedingungen informieren oder etwa bewusst einen solchen auswählen, der ein Nachhaltigkeitszertifikat wie das „Green Key”-Zertifikat vorweisen kann. Zwar kann die Haltung von Wildtieren in zoologischen Einrichtungen nicht als grundsätzlich schlecht abgestempelt werden, doch gibt es immer wieder Tierparks, die nicht zum Wohl der Tiere eingerichtet wurden. Denn viele Länder besitzen nicht einmal Gesetze, die die Haltungsbedingungen der Tiere festlegen. Spätestens, wenn die hier lebenden Vierbeiner aggressiv gegen ihre Artgenossen vorgehen, vergeht auch Besuchern das Lachen. Die in ebensolchen Zoos nicht artgerechte Haltung bringt Tiere dazu, untypische Verhaltensweisen an den Tag zu legen oder sich sogar selbst zu verletzen. So kann es sein, dass Besucher auf Schimpansen stoßen, die mit dem Oberkörper ständig hin- und herschaukeln, oder Elefanten, die das typische „Weben” praktizieren, also Vor- und Rückschritte andeuten und dabei ihren Rüssel bewegen. In freier Wildbahn sieht man diese Verhaltensweisen nicht – nur in Gefangenschaft. Neben den kritischen Aspekten kann jedoch auch in die Waagschale geworfen werden, dass die Mitglieder des Verbandes der Zoologischen Gärten beispielsweise mit wissenschaftlichen Einrichtungen zusammenarbeiten und so tierbiologische und veterinärmedizinische Themen studieren, die im Anschluss erlauben, auch frei lebende Tiere wirksam zu schützen. Darüber hinaus beteiligen sich weltweit viele Zoos an Programmen zur Auswilderung bedrohter Arten und verhindern zudem durch international anerkannte Zuchtprogramme das Aussterben bestimmter Arten. Allgemein gilt: Nicht nur im Ausland sollten Touristen vor dem Zoobesuch immer einen Blick hinter die Kulissen werfen und sich im Vorfeld ausreichend informieren, damit eine nicht artgerechte Haltung nicht unterstützt wird.

Ein Affe hinter einem Zaun im Zoo.

Die Schattenseiten der traditionellen chinesischen Medizin

Die fernöstliche traditionelle chinesische Medizin hat weltweit unzählige Anhänger. Dass Tierliebhaber oft nicht dazugehören, hat seine Gründe: Denn um Menschen von ihrem Leid zu erlösen, schreckt die TCM, wie die traditionelle chinesische Medizin abgekürzt wird, auch oft nicht davor zurück, sozusagen bedrohte Tierarten zu verordnen. So werden Malaien- oder Kragenbären beispielsweise aus ihrem natürlichen Lebensraum herausgerissen oder eigens gezüchtet, um Menschen mit Leberproblemen mit ihrer Gallenflüssigkeit zu helfen. Eingesperrt in winzigen Käfigen, bekommen die Bären dafür einen Katheter gelegt, der nicht selten sogar rostet und die Tiere somit stark gefährdet. Auch bei Arthritis hat die TCM ein Heilmittel: gemahlene Schuppentiere. Diese kleinen Lebewesen wurden wegen ihrer Schuppen bis ins Jahr 2013 millionenfach für mehr als 60 TCM-Produkte gefangen. Und auch schon Tiger und Nashörner mussten ihr Leben für die Leiden der Menschen lassen, denn laut TCM besitzen ihre Knochen und Hörner heilende Eigenschaften. Zum Glück wurden Tigerknochen und Nashornhörner im Jahr 1993 aus dem Arzneibuch der TCM gestrichen, doch vorbei ist das Tierleid deshalb noch nicht. Auf dem Schwarzmarkt lebt der Wildtierhandel weiter und bringt jährlich mehrere Milliarden Dollar ein. Noch brutaler erscheint der Missbrauch oder Mord bedrohter Arten vor dem Hintergrund, dass für die Wirksamkeit dieser Heilmethoden auf Kosten der Tiere kaum wissenschaftliche Belege vorhanden sind. Urlaubende, die ihre Wehwehchen gern einmal auf alternativem Weg heilen möchten, sollten bei Berührung mit traditioneller chinesischer Medizin also genau darauf achten, welche Produkte sie zu sich nehmen.

Stierkämpfe – ein antiquiertes Spektakel

Stierkämpfe sollten sich auf einer heutigen Bucket List eigentlich nicht mehr finden. Bei dieser grausamen Tradition, die in Lateinamerika, aber auch in europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien oder Portugal noch immer vereinzelt zu finden ist, bekämpfen die sogenannten Toreros die Tiere. Der Stress beginnt für die Tiere bereits vor dem eigentlichen Kampf in der Arena: Tagelang werden die Stiere in dunkle Ställe gesteckt. So wird gewährleistet, dass sie das Sonnenlicht in der Arena so sehr reizt, dass sie irritiert genug sind, um für genügend Aufregung zu sorgen. Der tödliche Spaß beginnt damit, dass den Stieren Widerhaken in den Nacken gerammt werden, worauf sie mit Schmerzen in die Arena rennen. Im Anschluss stechen die Reiter mit Lanzen auf den Nacken des Stiers ein. Die verletzten Bänder, Sehnen und Fasern lassen das Tier immer schwächer werden, sodass der Stierkämpfer beim Todesstoß am Ende leichtes Spiel hat.

Kamelreiten – Tortur für den Tourismus

Kamele, die gemeinsam mit Touristen durch die Wüste streifen, legen im wahrsten Sinne des Wortes echte Durststrecken zurück. Ohne Wasser und Nahrung halten die Tiere die sengende Hitze aus und müssen zu allem Überfluss auch noch einen Menschen auf ihrem Rücken von Ort zu Ort tragen. Besonders in afrikanischen und arabischen Ländern steht das Kamelreiten hoch im Kurs. Eine Entwicklung, die schnellstmöglich wieder umgekehrt werden sollte. Denn die Tierschutzorganisation PETA deckte auf, dass die Tiere vor allem in Ländern wie Ägypten oder Jordanien schwer misshandelt werden. Während sie an den beliebten Touristenhochburgen auf ihre Reiter warten, fehlt ihnen neben Wasser und Nahrung auch Schatten. Die so schon geschwächten Tiere werden unterwegs getrieben, denn nicht ihr eigener Rhythmus zählt, sondern der des Tourismus. Die Tourführer schrecken auch vor Peitschen nicht zurück, um die sensiblen Tiere anzutreiben. Reisende, denen Tierschutz im Urlaub am Herzen liegt, sollten Kamelreiten also unbedingt von ihrer Liste streichen.

Touristen auf einer Kameltour in der Wüste.

Esel-Taxis – Quälerei trotz Verbot

Esel und Maultiere als Touristentaxis – auf der griechischen Insel Santorini sind sie Gang und Gäbe. Ohne ausreichend Nahrung und Wasser müssen die Tiere von morgens bis abends Menschen und Gepäck über unwegsame Gefilde wie Berge und Klippen führen und können meist nicht mal eine Minute verschnaufen. 500 Treppenstufen legen Esel und Maultiere auf dem Weg in Santorinis Altstadt zurück und schaden damit nicht nur ihren Gelenken, sondern setzen sich auch extremer Rutschgefahr aus. Dass die Equiden sich ihre Erschöpfung ab einem gewissen Zeitpunkt anmerken lassen, ist da nur natürlich. Ihre Halter sehen das aber anders: Mit Stöcken schlagen sie auf die Tiere ein, um sie weiter anzutreiben – und missachten so die 2019 vom griechischen Tierschutzgesetz eingeführten Maßnahmen zum Schutz der Tiere. Obwohl die eingeführten Minimalanforderungen bloß ihr Überleben sichern sollen, werden sie von den Tierhaltenden permanent verstoßen.

Elefantenritte – Rüsseltiere in Not 

Thailand ohne Elefantenreiten? Für viele geradezu undenkbar. Dass diese Attraktion positive Gefühle in uns weckt, verwundert nicht. Schließlich sehen wir Touristen und Touristinnen auf den Dickhäutern doch immer mit strahlendem Lächeln im Gesicht – und der bunte Sonnenschirm über ihren Köpfen verstärkt diesen fröhlichen Eindruck nur noch. Wären die Gefühle der Elefanten ähnlich einfach abzulesen wie die der Menschen auf ihrem Rücken, wäre das Elefantenreiten seinen guten Ruf so schnell los wie die Tiere ihr Leben in Freiheit. Schon von klein auf werden die Rüsseltiere gefügig gemacht – und das mit Mitteln, die Tierfreunden die Haare zu Berge stehen lassen. Schlaf, Nahrung und Wasser werden den Dickhäutern entzogen und machen aus den sanften Riesen traumatisierte Vierbeiner, deren eigener Wille von Menschenhand vollständig gebrochen wurde. Wüssten die Menschen, dass sie auf dem Rücken eines schwer misshandelten Tieres säßen, würden sie sicher nicht mehr lächeln. Urlaubende, die die Nähe zu den schönen Tieren suchen, können dies beispielsweise auf einer respektvollen Safari tun, wo die Elefanten in freier Wildbahn beobachtet werden können – frei, glücklich und ohne Last auf ihrem Rücken und in ihrer Seele.

Autorin: Berit Sellmann

Letzte Aktualisierung: 30. September 2022