Frisch, abwechslungsreich und fast fettfrei – die vietnamesische Küche hat eine lange Tradition und ist doch modern und gesund wie keine zweite! Die Vietnamesen haben sich über Jahrhunderte von ihren Nachbarn China und Thailand, aber auch von Kambodscha und Indien inspirieren lassen und das Beste aus diesen Kulturen in ihre eigene Landesküche übernommen. Die starken buddhistischen Einflüsse in Vietnam haben sich ebenfalls in der Kulinarik niedergeschlagen. So weist die vietnamesische Küche eine große Vielfalt vegetarischer Gerichte auf. Ebenso hat die französische Kolonialherrschaft ihre Spuren in der Küche Vietnams hinterlassen. Von Frühstück bis zum Abendessen – die vietnamesischen Köstlichkeiten lassen das Mund im Wasser zusammenlaufen.

Vietnamesisches Frühstück: Erstmal Suppe

Eine Portion Phở garantiert einen guten Start in den Tag. Diese Suppe holen sich viele Vietnamesen meist in den mobilen Garküchen, die jeden Morgen die Straßenränder säumen. Jede Küche hat dabei ihr ganz spezielles Hausrezept. Egal, ob mit Rindfleisch (Phở Bò) oder mit Huhn (Phở Gà), die Brühe mit reichhaltiger und knackig frischer Gemüseeinlage wird halb getrunken, halb gelöffelt. Das Frühstück macht bis mittags satt. Die Suppe bis auf den letzten Rest auszuschlürfen, gilt übrigens als Zeichen der Höflichkeit und signalisiert, dass es schmeckt.

Das typische Sandwich Banh Mi der vietnamesischen Küche.



Mittags in Vietnam: Essen auf die Hand

Gerade in den Städten ist das Leben in Vietnam immer in Bewegung. Deshalb essen die Einheimischen gerne unterwegs. Beim vietnamesischen Mittagessen hat sich ein Einfluss aus der französischen Küche durchgesetzt: das belegte Baguette, in Vietnam Bánh mì (Brot) genannt. Die französischen Elemente Baguette, Fleischpastete und Mayonnaise treffen bei diesem Gericht auf typisch vietnamesische Zutaten wie Korianderblätter, Gurkenstreifen, eingelegte Karotte und natürlich die beliebte Fischsoße. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Auch Meeresfrüchte oder vegetarische Varianten mit Tofu oder Seitan landen im knusprig leichten Brot.

Eine Frau in traditionellen Kleidern auf einer Plantage in Vietnam.



Tea time und Kuchen am Nachmittag

Teetrinken hat in Vietnam Tradition. Kein Wunder, denn seit über 800 Jahren wird hier Tee angebaut und getrunken. Als Erfrischungsgetränk wird der Tee meist kalt, oft auch auf Eis serviert. Genauso selbstverständlich, wie Kellner anderorts eine Karaffe Wasser im Restaurant auf den Tisch stellen, servieren sie in Vietnam grünen Tee. Schwarzer Tee und der auch aus China bekannte Jasmintee sind ebenfalls überall zu finden. Ein vergleichsweise neuer Trend ist der sogenannte Jade Oolong Tee. Dieser nur leicht fermentierte Tee siedelt sich zwischen grünem und schwarzem Tee an. Zum Tee naschen die Vietnamesen gerne kleine Kuchen. Im Gegensatz zur europäischen Variante werden sie meist gedämpft und nicht gebacken. Zudem beinhalten sie in der Regel Tapiokastärke und Reismehl, die für eine Konsistenz wie die eines sehr festen Puddings sorgen. Übrigens: Die teils schreiend bunten Farben der Kuchen stammen fast ausschließlich von natürlichen Pflanzenextrakten.

Grillen auf Vietnamesisch

Zum Abendessen wird in der vietnamesischen Küche meist der Grill angeschmissen. Ein vor allem im Norden des Landes sehr beliebtes Gericht ist Bún chả. Diese Köstlichkeit hat schon zahlreiche Dichter Vietnams zu wahren Lobeshymnen inspiriert. So schrieb der vietnamesische Dichter Tach Lam, der als ein großer Gourmet galt: „Ein Hauch des herrlichen Grillgeruchs ist genug, um den Poeten in einem zu wecken. Da ist eine Wolke von blauem Rauch, die an einen Nebelschleier erinnert, der über einem Berghang liegt. Das Zischen eines kleinen Tropfens Fett, der auf die Glut fällt, ruft ein sehnsuchtsvolles Seufzen hervor…“.

„Ein sehnsuchtsvolles Seufzen…“ – die vietnamesische Küche verzaubert Poeten und Gourmets.

Bún chả besteht aus Schweinebauch (chả), der reichlich mariniert und traditionell über Holzkohle saftig gegrillt wird. Dazu werden Reisnudeln (Bún), süßsauer mariniertes Gemüse, reichlich frische Kräuter und eine Brühe ähnlichen Soße serviert. Beim Essen mischen die Einheimischen dann in einer Schale Soße, Fleisch und Gemüse miteinander. Mit den Stäbchen nehmen sie eine Portion Nudeln und Kräuter, dippen diese in die Sauce und picken sich dazu ein Stück Fleisch.

Das traditionelle Gericht Bun Cha der vietnamesischen Küche.

Die vietnamesische Küche von morgens bis abends – sie gilt als eine der besten in Südostasien. Sie lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen und ist der Stolz der Einheimischen, die ihr Wissen gerne in Kochkursen weitergeben. Sogar die besten Köche des Landes lassen Reisende in die vietnamesische Küche eintauchen. Nur eines mag für Europäer gewöhnungsbedürftig sein: In Vietnam werden die Köstlichkeiten stets genuss- aber eben auch geräuschvoll verzehrt. Guten Appetit!

Letzte Aktualisierung: 30. April 2020