Bizarre Felsformationen ragen gen Himmel, Luchse schleichen durch den dichten Wald, ein klarer Bach murmelt leise – diese mystisch anmutende Szenerie befindet sich tatsächlich mitten in Deutschland. Ein Urlaub im Harz, dem höchsten Gebirge Norddeutschlands, verspricht unvergessliche Erlebnisse: Ums Feuer tanzende Hexen in der Walpurgisnacht, atmosphärische Höhlen und wilde Landschaften machen den Harz zu einem ganz besonderen Ort.

Der Harz, ein wahres Natur- und Tierparadies

Hier schlägt das Herz von Natur- und Tierfans höher: Am Schnittpunkt von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gelegen erwartet der Harz seine Besucher mit einer spektakulären Natur. Schroffe Klippen, idyllische Wiesen und dichte Wälder prägen die Landschaft des Mittelgebirges. Im Harz gibt es vier eigenständige Naturparks, die eine der artenreichsten Regionen Deutschlands bilden. Die Vielfalt ist vor allem durch die verschiedenen Höhenlagen und die unterschiedlichen klimatischen Einflüsse bedingt – so entsteht eine einzigartige Flora und Fauna. Kein Wunder, dass im Harz zahlreiche verschiedene Tiere wie Rothirsche, Marder, Rotfüchse und unzählige Vogelarten zu Hause sind. Seit dem Jahr 2000 lebt hier sogar wieder eine echte Wildkatze: der Luchs. Wegen der starken Verfolgung durch den Menschen war die Raubkatze mit den Pinselohren in Mitteleuropa bereits ausgestorben. Durch das „Luchsprojekt Harz“ konnten sich nach und nach wieder Luchse ansiedeln – nach aktuellen Schätzungen streifen mittlerweile fast 100 Tiere durch die Wälder im Harz.

Bei einem Urlaub im Harz sieht man auch schon mal einen Luchs.

Ein besonderes Naturparadies ist der Nationalpark Harz, der fast zehn Prozent des Harzes ausmacht und sich um den Brocken erstreckt. Der Brocken ist mit etwa 1.140 Metern der höchste Berg Norddeutschlands und schon an sich ein Höhepunkt während eines Urlaubs im Harz. Mit seiner stets kahlen und oft nebelumhüllten Kuppel ist er allerdings ein rauer Zeitgenosse. Seinen Gipfel können Besucher bei einer Wanderung oder Radtour erklimmen oder bequem mit der Harzer Schmalspurbahn, auch Brockenbahn genannt, erreichen.

Von Urwäldern und Höhlen

Welchen Weg Urlauber auch wählen, der Weg nach oben lässt sie in eine fast skandinavisch wirkende Natur eintauchen. Im Nationalpark rund um den Brocken, der Teile Niedersachsens und Sachsen-Anhalts umfasst, entsteht eine urwaldartig anmutende Bergwildnis. Die ehemals menschengeprägten Landschaften dürfen langsam wieder zu wilden Naturwäldern werden. Trotzdem haben interessierte Besucher hier keinesfalls Zutrittsverbot: Ranger bringen Gästen des Nationalparks die einzigartige Flora und Fauna der Umgebung näher und vermitteln eindrucksvoll den Naturschutzgedanken des Parks.

Die Harzer Brockenbahn auf dem Weg zum Brocken.

Besonders abenteuerlich ist ein Ausflug in eine der zahlreichen Höhlen der Region. Ein Besuch der sagenumwobenen Einhornhöhle im Südharz oder der 15.000 Quadratmeter großen Barbarossahöhle mit ihren riesigen Hohlräumen und blauschimmernden Seen ist ein absolutes Highlight für Jung und Alt. Aufgrund seiner vielfältigen Natur ist der Harz eine der beliebtesten Wanderregionen Deutschlands. Ob bei einem gemütlichen Sonntagsspaziergang oder einer sportlichen Wanderung – unvergessliche Momente in der Natur sind garantiert.

Urlaub im Harz – Eine mystische Auszeit

Der Harz ist mystisch und sagenumwoben. Das gilt nicht nur für die magisch schöne Natur: In vergangenen Jahrhunderten, als die Region noch dünn besiedelt war, entstanden zahllose Mythen zu scheinbar unerklärlichen Phänomenen. So wird häufig von einem Brockengespenst berichtet, das besonders an nebligen Herbsttagen sein Unwesen treiben soll. Die einfache, wenig magische Erklärung für dieses Vorkommnis sind Luftspiegelungen. Sie entstehen, wenn der Schatten eines Menschen auf eine Nebel- oder Wolkenschicht fällt. Leider ist dieses Naturphänomen nur selten zu beobachten, sodass Urlauber im Harz schon besonders viel Glück brauchen, um dem Brockengespenst zu begegnen.

Eine besondere Bedeutung für den Harz haben auch andere mystische Gestalten – nämlich Hexen! Legenden zufolge soll der Harz im 17. Jahrhundert der Hauptversammlungsort für Hexen aus dem ganzen Land gewesen sein, die sich dort in der Walpurgisnacht zum Hexentanz getroffen haben. Noch heute zieht es in der letzten Aprilnacht zahlreiche Besucher zu den bekannten Hexentanzplätzen, wo mit Feuer, Live-Musik und einfallsreichen Verkleidungen die Vertreibung der bösen Geister zelebriert wird. Besonders die Stadt Thale ist für ihren Hexentanzplatz bekannt, der hoch oben über der Stadt thront.

Der Brocken wird auch Blocksberg, also Hexenberg genannt: Legenden zufolge trafen sich im 17. Jahrhundert in der Walpurgisnacht Hexen aus dem ganzen Land zum Hexentanz im Harz.

Märchenhafte Erlebnisse erwarten Urlauber auch bei einer Wanderung auf dem Harzer-Hexen-Stieg. Dieser vielseitige Fernwanderweg zieht sich durch den gesamten Harz und führt Wanderer vorbei an tiefen Schluchten, nebligen Hochmooren und sattgrünen Wäldern.

Historische Städte und kulturelle Schätze

Auch Kulturinteressierte kommen bei einem Urlaub im Harz voll auf ihre Kosten. Urlauber können wunderschöne Städte wie den Kurort Bad Lauterberg oder die UNESCO-Welterbestädte Goslar und Quedlinburg kennenlernen. Am besten geht das bei einer Stadtführung der besonderen Art. Bei spannenden Führungen bei Nacht, mystischen, von Hexen geleiteten Touren oder sportlichen Segwayführungen lernen Besucher die Städte im Harz von einer ganz anderen Seite kennen. Die auf mittelalterlichen Grundrissen entstandene Stadt Goslar erwartet Urlauber mit wunderschönen Fachwerkhäusern, während Wernigerode mit seinem berühmten Rathaus, einem Schloss und einer historischen Altstadt punktet.

Die UNESCO-Welterbestadt Quedlinburg im Harz.

Beeindruckend sind auch die weiteren unzähligen Schlösser und Burgen der Region. Die Wasserburg Zilly etwa wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts erbaut und durch eine Neugestaltung im 19. Jahrhundert zu dem historisch bedeutsamen Gesamtkunstwerk gemacht, das sie heute ist. Inmitten einer herrlichen Landschaft gelegen erinnert sie an ein prachtvolles, verwunschenes Märchenschloss. Schloss Herzberg im Oberharz hingegen ist ein Juwel der Fachwerkarchitektur: Das Schloss aus dem 11. Jahrhundert wurde nach einem Brand im 16. Jahrhundert zu einem Fachwerkschloss umgebaut und bietet in einem eigenen Museum spannende Einblicke in seine lange Geschichte.

Erlebnisreicher Urlaub – Ausflugsziele im Harz

Neben der einzigartigen Natur und den kulturellen Schätzen bietet der Harz auch Aktivitäten und Ausflugsziele, die besonders die Herzen von Familien mit Kindern aber auch die aller anderen Harz-Urlauber höherschlagen lassen.

Mitten im Kurpark Bad Harzburg können Naturliebhaber den Harz auf eine spannende Weise kennenlernen. Ein rund 1.000 Meter langer Baumwipfelpfad ermöglicht einen Spaziergang durch die alten Baumkronen des Waldes und gibt Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt der Umgebung.

Hoch hinaus geht es auch in der Sternenwarte Sankt Andreasberg. Hier können sich Astronomen und alle, die es noch werden wollen, dem Himmel ganz nah fühlen. In der höchsten Sternenwarte des Landes werden Jung und Alt astronomische Kenntnisse vermittelt – und das bei einem der laut Bundesamt für Naturschutz besten Nachthimmel Deutschlands!

Wasserratten aufgepasst: Spaß im, am und auf dem Wasser findet sich im Harz zur Genüge. Ob beim Baden im UNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft, bei einem Tauchgang in der Okertalsperre oder beim Planschen in einem der Erlebnisbäder – dem Wasserspaß sind keine Grenzen gesetzt.

Familien mit Kindern haben besonders Freude bei der rasanten Abwärtsfahrt auf der Rodelbahn Wippra oder beim Besuch des Märchengrunds Bad Sachsa, wo das Märchenreich lebendig wird. Der größte Outdoor-Spielplatz in Sachsen-Anhalt „Abenteuerland Harzer Seeland“ sorgt auf rund 80.000 Quadratmetern für Spiel, Sport und Aktion.

Autorin: Kim Vattersen

Letzte Aktualisierung: 09. Juli 2020