„Einmal im Jahr solltest Du einen Ort besuchen, an dem Du noch nie warst“, lautet ein berühmtes Zitat des Dalai Lama. Wir würden das Zitat gerne erweitern und empfehlen: Einmal im Jahr sollten Sie gemeinsam mit Ihrer Familie einen Ort besuchen, an dem Sie noch nie waren. Denn was wäre Freude, könnte sie nicht mit geliebten Menschen geteilt werden? Besonders auf Reisen mit der Familie multipliziert sich das unterwegs gesammelte Glück. Doch vor dem Abenteuer Familienreise steht noch immer die anfängliche Mühe der Reiseplanung, die mit der Wahl des Ziellandes ihren Anfang nimmt. Müssen es in diesem Jahr wieder die Klassiker Italien, Portugal oder Griechenland sein? Oder sollte man sich tatsächlich mit Partner und Kindern einmal in komplett neue Gefilde – wie etwa in das afrikanische Namibia – wagen? Feststeht: Dalai Lama hätte zu Letzterem geraten – und wäre sicher ebenso fasziniert von den Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten Namibias, die sich auch in Kinderaugen wundervoll machen!

Durch die einzigartige Kombination von spannender Kultur, atemberaubenden Landschaften und imposanten Wildtieren auf der einen Seite sowie auf der anderen dem vorbildlichen Gesundheitssystem und einer hohen Sicherheit innerhalb des Landes eignet sich Namibia besonders für Reisende, die ein Urlaub mit Kindern abseits des Mainstreams fasziniert.

Was Namibia mit Kindern so attraktiv macht

Rote Sanddünen, imposante Tafelberge, leere Wüstenlandschaften und wilde Tiere – die Gründe, Namibia zu bereisen, sind ebenso endlos wie die Kalahari Wüste. Auch die weiteren Vorteile, die die einstige deutsche Kolonie Reisenden gegenüber anderen Zielen außerhalb Europas bietet, lassen sich sehen. Neben dem sehr ausgeklügelten Gesundheitssystem, der stabilen politischen Lage und Hygienestandards, die anderen afrikanischen Reisezielen deutlich voraus sind, lockt der vielseitige afrikanische Staat in den größeren Städten wie Windhuk, Swakopmund, Otjiwarongo und Tsumeb auch mit Supermärkten, die sich vom deutschen Standard nicht unterscheiden.

Kinder ebenso wie Reisende mit wenigen Englischkenntnissen dürfen sich darauf freuen, dass die Namibier – trotz Englisch als offizieller Amtsprache – sehr häufig auch mit Kenntnissen der deutschen Sprache überraschen. So können auch kleine Urlauber mit den Einheimischen in Kontakt treten und einen bleibenden Eindruck dieser so fremden Kultur erleben.

Die Tatsache, dass in Namibia nur eine Stunde Zeitverschiebung herrscht – in der europäischen Sommerzeit ist es hier eine Stunde früher, zur Winterzeit eine Stunde später – macht Namibia ebenfalls zu einem attraktiven Ziel für einen Urlaub mit Kindern. Nicht nur bei den Sprösslingen, sondern auch bei den Erwachsenen bleibt somit der allseits bekannte Jetlag aus, der häufig die Anfangszeit mit einer trüben Schicht aus Müdigkeit überlagert, die verhindert, dass die Eindrücke und Sehenswürdigkeiten des Landes gesehen werden, wie sie gesehen werden sollen.

Nicht zuletzt sorgt das Land im Süden Afrikas mit ganzen 300 Sonnentagen im Jahr dafür, dass ein Urlaub in Namibia mit Kindern zu fast jeder Reisezeit zum Treffer ins Schwarze wird. Das subtropisch kontinentale Klima besticht durch eine kurze Regen- und lange Trockenzeit, die von Mai bis Dezember andauert. Ganz besonders die Sommerferien der Kinder eignen sich also für eine Namibia-Reise.

Eine Rundreise mit dem Mietwagen ist optimal um Namibia mit Kindern zu entdecken.

Ein ausgelassener Namibia-Urlaub mit Kindern dank richtiger Reiseplanung

Wenn die Vorfreude nicht aufhören kann, Bilder von hohen Sanddünen, leeren Wüstenlandschaften, Elefanten vor Wasserlöchern oder von einer Begegnung mit einem Himba-Stamm zu zeichnen, ist das verständlich. Doch schon bald sollte die Vorstellungskraft den Stift ablegen, um ihn der Planerin in uns zu überlassen. Denn wie jede Reise muss auch eine Reise nach Namibia sorgfältig geplant werden, um das Bestmögliche aus dem Namibia-Urlaub mit Kindern herauszuholen und Gefahren zu meiden.

Im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten ist Namibia sehr sicher und birgt deutlich geringere gesundheitliche Risiken, dennoch sollten Familien nicht auf eine Malaria-Prophylaxe verzichten. Besonders während der Regenzeit, in der Nähe von Gewässern, im Norden des Landes wie in der Region am Kunene River sowie nahe der Etosha-Pfanne und am Caprivistreifen herrscht ein erhöhtes Malariarisiko. Pflichtimpfungen wie gegen Cholera, Gelbfieber und Pocken sind bei direkter Einreise aus Deutschland nicht mehr vorgeschrieben. Aufgrund der Wasserarmut und der Wüstenflächen – und das ist ein weiterer Pluspunkt für eine Reise nach Namibia – ist das Land von tropischen Krankheiten so gut wie frei. Glück gehabt!

Zudem wissenswert und wichtig für die Planung: In Namibia herrscht eine verkehrte Welt. Und das nicht etwa bloß, weil Linksverkehr gilt oder weil das Land, das auf den Namen “Afrikas Diamant” hört, zu schön ist, um wahr zu sein, sondern auch, weil die Jahreszeiten entgegengesetzt zu den europäischen sind. Da Namibia auf der Südhalbkugel der Erde liegt, ist es hier während des deutschen Sommers Winter. Obwohl in dem sogenannten “Südwinter” eine durchschnittliche Temperatur von 25 Grad vorherrscht, könnte in Berg- oder Wüstenlandschaften nächtlicher Frost auftreten. Dies macht das Einpacken von wärmerer Kleidung unabdingbar.

Ein Urlaub mit Kindern in Namibia wird zu einem unvergesslichen Highlight, wenn Eltern sich im Vorhinein der weiten Strecken von einer Sehenswürdigkeit zur anderen bewusst sind. Nicht umsonst hat sich Namibia den Beinamen “Land der großen Weite” eingehandelt: Um ganz besonders den kleinen Reisenden Stress durch nicht enden wollende Autofahrten zu vermeiden, können Eltern vorsorgen und durch Bücher, Mal-Utensilien, Hörbücher oder kleine Reise- oder Ratespiele Abhilfe schaffen. Darüber hinaus werden die Kinder ihren Eltern danken, wenn diese eher kurze Tagesetappen mit vielen Pausen einplanen. Hier gilt: Weniger ist mehr.

Augen auf bei der Wahl der Unterkunft für Ihren Familienurlaub in Namibia

Komfortables Hotel, minimalistische Backpacker-Unterkunft, luxuriöse Lodge, persönliche Gästefarm oder doch lieber der naturnahe Campingplatz – welche Unterkunft eignet sich am besten für den Urlaub in Namibia? Was so oder so nach einer Qual der Wahl klingt, wird vor der Planung des Urlaubs in Namibia mit Kindern zu einer noch größeren Herausforderung. Die Ansprüche und Wünsche der Erwachsenen mit denen der Sprösslinge zu vereinen, ist nicht immer einfach. Unser Tipp: Die Unterkünfte und ihre Vor- und Nachteile im Vorhinein genauestens unter die Lupe nehmen. Einige Lodges und Pensionen in Namibia bieten Urlaubern mit Kindern beispielsweise sogenannte “Family Units” an – zwei Zimmer mit einem Bad. Unterkünfte ohne dieses Angebot stellen meist gerne ein Zustellbett mit in den Raum.

Besonders die zahlreichen Zelt- und Campingplätze des Landes, die häufig als kommunale Projekte von den Einheimischen geführt werden, erfreuen sich riesiger Beliebtheit. Zu Recht! Denn gibt es etwas Schöneres als am Morgen aus dem Bett zu steigen und direkt in die unendlichen Weiten einer atemberaubenden Landschaft zu blicken? Wohl kaum. Grillplätze, Tische und Sitzmöglichkeiten gehören hier zur minimalistischen Ausstattung und lehren ein Leben im Einklang mit der Natur.

All jene Familien, die auf ihren Luxus und Komfort setzen, aber dennoch eine Zeit in unberührter Natur schätzen, sind mit der großen Auswahl an Lodges in Namibia gut beraten. Viele der Lodges agieren sogar mit nachhaltigem Fokus – kein Wunder, ist die Natur in Namibia doch Dreh- und Angelpunkt und der Grund, der eine Familienreise in Namibia so attraktiv macht! Familien mit Kindern ziehen mit den Namibier Lodges ein großes Los: Die in einzigartiger Weise an die Umgebung angepassten Lodges organisieren nämlich in den meisten Fällen auch spannende Ausflüge in die Umgebung wie beispielsweise Wildtiersafaris und schenken urlaubsreifen Eltern durch den geringeren Planungsaufwand so mehr Zeit zum Entspannen.

Zwar etwas weniger luxuriös, dafür aber umso gastfreundlicher, präsentieren sich Namibias Gästefarmen. Eine herausragende Gastfreundschaft, liebevolle, persönliche Betreuung, allen voran aber die spannenden Einblicke in das Farmer-Leben machen auch diese Form der Unterkunft zu einem echten Highlight für die ganze Familie. Namibias Gästefarmen heißen Kinder oft besonders willkommen.

Eine Familie beim Camping während Ihres Urlaubs in Namibia.

Diese Orte machen die Namibia Reise mit Kindern unvergesslich 

Geisterstadt Kolmanskop

Einmal in Kulissen eintauchen, die auf dem Fernsehbildschirm zu sehen sein könnten – welches Kind wünscht sich das nicht? Die Geisterstadt Kolmanskop vor den Toren von Lüderitz ist zwar keine Filmkulisse, könnte aber nicht näher dran sein: Der Schauplatz als auch die bewegte Geschichte, die die verlassene Stadt zu erzählen hat, wirken filmreif. Die heutige Geisterstadt war einst nicht mehr als ein Bahnhof. Im Jahr 1908 wurde von einem Bahnarbeiter das erste Mal ein glitzernder Stein gefunden, der sich schnell als Diamant herausstellte. Ströme von Diamantensuchern und Abenteurern ließen sich daraufhin an der Kolmanskuppe nieder und so bildete sich innerhalb von zwei Jahren eine Stadt, die bis dato als reichste Stadt Afrikas galt. Obwohl nicht mehr als 400 Menschen hier lebten, gab es 1911 bereits elektrischen Strom, luxuriöse Steinhäuser, ein Casino, eine Schule, ein Krankenhaus, eine Eisfabrik, ein Theater und einen Ballsaal, eine Turnhalle, eine Kegelbahn und sogar ein Salzwasserschwimmbad. Doch die Stadtentwicklung fand ein jähes Ende: 1928 gingen die Diamantenvorkommen in Kolmanskop zu Ende, sodass die Förderung eingestellt wurde und die Maschinen in den Süden gebracht wurden, wo ergiebige Schürffelder warteten. So wurde die Stadt sich selbst überlassen, die Wüste forderte ihr Terrain zurück. Bis 1960 hatte auch der letzte Einwohner die Stadt verlassen. Führungen durch die namibische Geisterstadt sind mittlerweile eine beliebte Familienattraktion.

Damara Living Museum

Museen sind langweilig? Das mag für manche gelten, nicht aber für das Damara Living Museum bei Twyfelfontein. Allein die Umgebung, in der das Open-Air-Museum liegt, kann sich sehen lassen: Über einen schmalen, mit riesigen Felsbrocken aus rotem Granit geschmückten Pfad gelangen Besucher über einen schmalen Gehpfad zum sogenannten Dorfplatz. Dieser bietet, umstanden von afrikanischen Hütten aus Reisig und Lehm, die perfekten Voraussetzungen, um in die fremdartige Atmosphäre der Damara-Kultur einzutauchen. Familien werden hier von einem Damara-Führer empfangen und anschließend mit viel Wissenswertem rund um die Damara-Kultur gefüttert. Wie kann man in der Natur ohne Hilfsmittel ein Feuer entfachen? Welche Muscheln und Naturmaterialien eignen sich am besten zur Herstellung von Schmuck? Und wie sieht es aus, wenn Werkzeuge aus Eisen geschmiedet werden? Hier wird die Neugier von Groß und Klein rund um eine völlig fremde Lebensweise befriedigt.

Die Robbenkolonie Cape Cross

Es gibt wohl kein Kind, das vom niedlichen Charme der Robben nicht eingenommen wird. Das ist jedoch nicht der einzige Grund, aus dem so viele Familien die Robbenkolonie am Cape Cross zum Ausflugsziel machen: Denn neben den liebevollen tierischen Genossen wartet hier auch ein Stück Geschichte, die sogar bis ins Jahr 1486 hineinreicht: In diesem Jahr landete hier der erste Europäer, der Portugiese Diego Cão, der im Namen seines Königs ein Kreuz aufstellte, auf dem stand: „Im Jahre 6685 nach der Schöpfung der Welt und 1485 nach Christi Geburt beauftragte der hervorragende, vorausschauende König Johann II. von Portugal einen Ritter seines Hofes, Diogo Cão, dieses Land zu entdecken und das Padrão hier zu errichten.“
Niemanden schien dieses Kreuz zu interessieren bis es im Jahr 1893 vom Kapitän des Frachters “Falke” entfernt wurde. Gleich im Jahr darauf wurde das Kreuz allerdings wieder durch eine Kopie ersetzt. Heute gedenken gleich zwei solcher Kopien den ersten europäischen Spuren in Namibia.
Die Robbenkolonie, die auf diesem Küstenabschnitt lebt, scheint die Vergangenheit nicht zu interessieren – sie haben andere “Probleme”: In der Zeit, die die Bullen im Meer sind, kämpfen die weiblichen Robben mit jeder Menge Geschrei um die besten Plätze an Land und geben so ein Schauspiel ab, das Klein und Groß lange in Erinnerung bleiben wird.

Walvis Bay Waterfront

Früher oder später wird sie kommen – die Frage: Mama, Papa, können wir ans Meer? Kinder lieben das Planschen und ganz besonders in einem von Sonne verwöhnten Land wie Namibia darf die Abkühlung nicht fehlen. Etwa 30 Kilometer von der Küstenstadt Swakopmund entfernt wartet die Walfischbucht, auch genannt Walvis Bay, auf kleine und große Wasserfreunde – doch auch Tierfreunde kommen hier auf ihre Kosten: Auf Bootstouren entlang der Küste stehen die Möglichkeiten gut, Tierbeobachtungen zu machen. Aus dem Bootsabenteuer wird so schnell ein Suchspiel: Welches Familienmitglied erspäht den ersten Delfin, wer die erste Robbe?

Namib Naukluft Park

Im Sand spielen einmal anders – im Namib-Naukluft-Park ist das möglich. Der Nationalpark umfasst einen Teil der Namib-Wüste, die als die älteste Wüste der Welt gilt. Zwar ist nicht der gesamte Park für Besucher zugänglich, doch schon kleine Teile der imposanten Wüstenlandschaft reichen aus, um Kindern das Gefühl zu geben, im größten Sandkasten der Welt gelandet zu sein. Ziel der meisten Familien ist das Sossusvlei, die von roten Sanddünen umgebene Salz-Ton-Pfanne. Westlich des Sossusvlei wartet die “Big Daddy”, die höchste Düne des Gebiets, das sich – nicht nur durch Kinderaugen – schnell in einen Spielplatz verwandelt. Na, wer kann die höchste Düne am schnellsten erklimmen?
Doch auch an Land können Eltern mit Kindern in eine exotische Tierwelt eintauchen: Per Allradfahrzeug gelangen Touristen zu den Vogelkolonien in der zehn Kilometer langen Lagune mit dem Namen Sandwich Harbour. Hier ist ordentlich etwas los: Stolze 120000 Vögel wurden in der Lagune gezählt, darunter Vogelarten, die besonders bei Kindern dank ihres ulkigen Aussehens und der grellen Farbe beliebt sind. Hier sorgen Pelikane oder Flamingos für so manchen Lacher.

Autorin: Berit Sellmann

Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2021