Zu feurigen Salsa-Rhythmen die Hüfte schwingen, kolonialen Bauten bewundernde Blicke schenken, unter Palmendächern dem sanften Rauschen des Ozeans lauschen, die Lippen an eine heiße Tasse Kaffee setzen, den Körper in den Anden an seine Grenzen bringen und den Funken der Lebensfreude beim Überspringen zusehen – es sind Momente wie diese, die eine Reise nach Kolumbien so besonders machen. Und das inmitten der Kostbarkeiten aus der reich gefüllten Schatztruhe der Natur: Weiße Palmenstrände, Regenwälder voller Exotik, Anden, auf deren Gipfeln der Schnee in kalten Betten liegt und eine Artenvielfalt, die dem Wort Reichtum alle Ehre macht. Die Frage, warum Kolumbien auch als „Südamerika in einem Land” bezeichnet wird, erübrigt sich für all jene, die dieser landschaftlichen Juwelen schon gewahr werden durften.

Ciudad Perdida

Mit ihrem kolonialen Charme und dem Zusammenspiel von Vergangenheit und Moderne brauchen sich Kolumbiens Städte nun wirklich nicht zu verstecken – und verloren gehen sollten sie schon gar nicht, auch wenn die sogenannte Verlorene Stadt eines der größten Natur-Highlights Kolumbiens darstellt. Ciudad Perdida, wie die beliebte Sehenswürdigkeit heißt, reiht sich neben dem Machu Picchu in die Liste der wiederentdeckten Städte Südamerikas. Nachdem der kolumbianische Urwald die Stadt 400 Jahre lang unter seinem dichten Blätterwerk geheim hielt, wurde die Stadt in der Sierra Nevada de Santa Marta Mitte der 1970er-Jahre von Grabräubern neu entdeckt und Gegenstand zahlreicher archäologischer Forschungen. Die mehr als 1000 Treppenstufen, die Besucher heute auf der Wanderung zur „Verlorenen Stadt” erklimmen, könnten beinahe sinnbildlich stehen für den Eintritt in eine weit entfernte Vergangenheit, die bis ins Jahr 1525 reicht. Denn da erreichte der Konquistador Rodrigo de Bastidas die kolumbianische Küste, wo er von den Ureinwohnern der Region, dem Volk der Tairona, begrüßt wurde. Die Spanier bedrängten die friedlichen Ureinwohner, die sich gezwungen sahen, sich tiefer in den Urwald zurückzuziehen – bis nach Teyuna, wie der indigene Name der „Verlorenen Stadt” einst lautete. Dichte Vegetation und reißende Flüsse begleiten noch heute den Weg zur Ciudad Perdida, für den Besucher etwa vier Tage einplanen sollten. Dort angekommen, breiten sich auf 1200 Meter Höhe 200 ovale und runde Terrassen aus, durch die sich die bisher freigelegten Brücken, Steinwege und Bewässerungskanäle der einstigen Stadt ziehen.

Die "Ciudad Perdida" im Urwald Kolumbiens.

Valle del Cocora

Kolumbien hält landschaftlich so manchen Superlativ bereit. Einer davon sind die wohl größten Palmen der Welt, die in Kolumbiens grüner Kaffeezone auf Höhen von bis zu 2400 Metern heimisch sind und ihrem Namen alle Ehre machen: Die sogenannte Quindio-Wachspalme, zugleich der Nationalbaum Kolumbiens, streckt sich mit bis zu 60 erstaunlichen Metern dem Himmel entgegen. Zu sehen gibt es diese Wachspalmen in großer Zahl im Valle del Cocora. Das breite Tal ist Teil des Nationalparks Los Nevados, der nicht nur als einer der schönsten Kolumbiens gilt, sondern auch als wichtiges Schutzgebiet fungiert. Für Besucher des Valle del Cocora lohnt es sich aber auch, die ehrfurchtsvollen Blicke von den Wachspalmen abzuwenden und ihrer Umgebung zu widmen: Denn unter anderem sind hier Brillenbären, Tapire, Pumas und Faultiere heimisch. Darüber hinaus ist das tropische Paradies Heimat zahlreicher Vogelarten. Der Aufenthalt zwischen ausladenden Graslandschaften und mystischem Nebelwald wird für Urlauber also schnell zum Suchspiel, bei dem sich das Augen-offen-Halten in Form von Kolibri, Tukan und Co. bezahlt macht.

Der Fels von Guatapé

Obwohl er zu den beliebtesten Natur-Highlights Kolumbiens zählt, ist er über die Landesgrenzen hinaus doch eher unbekannt – der Fels von Guatapé. Dennoch weiß er die Besucher der Stadt Guatapé schnell in seinen Bann zu ziehen. Mit seinen mehr als 200 Meter Höhe kann der Monolith in der ansonsten recht flachen Umgebung gar nicht übersehen werden. Gut so, denn sonst würden Urlauber ein echtes Kolumbien-Erlebnis mit einer einzigartigen Aussicht verpassen. Seit einigen Jahrzehnten können Besucher nämlich über mehr als 700 Stufen den Gipfel des Monolithen erklimmen, um oben mit einem unvergesslichen Blick über den Peñol-Stausee und die Hügel- und Berglandschaft der Region belohnt zu werden.

Tatacoa-Wüste

„Bin ich hier wirklich immer noch Kolumbien?” Die Tatacoa-Wüste könnte diese Frage durchaus durch den Kopf schnellen lassen. Denn die Ähnlichkeit der 330 Quadratkilometer großen Sandwüste zum Grand Canyon in den USA überrascht so manchen Reisenden. Wer hier allerdings einen ähnlichen Besucherandrang wie in den USA erwartet, dem sei gesagt: Die Tatacoa-Wüste ist touristisch weit weniger bevölkert. Somit ist sie für Reisende, die nach ein wenig Entspannung in labyrinthischen Mondlandschaften suchen, das perfekte Ziel. Mit ihren skurrilen Felskegeln, Erosionsfalten, Sandsteinkliffen und bis zu 20 Meter tiefen Canyons kann die Wüste im zentralkolumbischen Department Huila durchaus als Spielplatz der Schöpfung bezeichnet werden. Die sehenswerten Landschaften sind über einen vier Kilometer langen Pfad miteinander verbunden. Die Strecke können Reisende zu Fuß zurücklegen oder auch per Motorradtaxi inklusive privatem Guide. All jenen, die es kaum erwarten können, von einem Natur-Highlight Kolumbiens zum nächsten zu kommen, aber auf eigene Faust unterwegs sein möchten, empfiehlt es sich, im Villavieja ein Fahrrad zu leihen.

Die Tatacoa-Wüste ist eines der Natur-Highlights Kolumbiens.

Taganga

Einfach mal abtauchen – das können Urlauber im kleinen Dörfchen Taganga gleich in zweierlei Hinsicht. Mit seinen ganzjährig guten Tauchbedingungen hat sich das kleine Dörfchen an der Karibikküste zum Hotspot aller Unterwasserabenteurer etabliert. Mit etwas Geduld stoßen Taucher hier unter anderem auf Schildkröten, Barrakudas, Haie und Zackenbarsche. Gleichzeitig zieht das Küstendörfchen all jene an, die sich nach Ruhe und Idylle abseits des geschäftigen Treibens in den Städten sehnen. So lässt Taganga seine Besucher in die Traditionen des ehemaligen Fischerdörfchens eintauchen – zum Beispiel auf einer Angeltour mit einem traditionellen Fischer. So ist ein frisches Abendessen garantiert! Seinen krönenden Abschluss findet ein gelungener Tag in Taganga zu guter Letzt mit einem Cocktail an der Strandbar. Die Sonnenuntergänge, die Touristen hier erleben können, haben echten Kultstatus.

Nationalpark Los Nevados

Mit dem Vulkan Nevado del Ruiz verbucht der Nationalpark Los Nevados einen weiteren kolumbianischen Höhepunkt für sich – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn mit mehr als 3500 Metern markiert der aktive Feuerberg die höchste Stelle im Nationalpark und ist der zweitgrößte aktive Vulkan auf der nördlichen Erdhalbkugel. Mit seinem Ausbruch im Jahr 1985 wurde der Vulkan international bekannt. Auch heute ist der Nevado del Ruiz der Öffentlichkeit nicht zugänglich – jedoch laden seine beiden Nachbarn, Santa Isabel mit 4965 Metern und Tolima mit 5240 Metern, zu Wanderungen ein. Von saftig grünem Regenwald über Moore bis hin zu verschneiten Andengipfeln – für Wanderer ist der Nationalpark Los Nevados ein landschaftliches Schlaraffenland.

Der Nationalpark Los Nevados in der Zentralkordillere der kolumbianischen Anden.

Isla Grande

Ein weiteres Natur-Highlight Kolumbiens wartet im Karibischen Meer auf Besucher – die Insel Isla Grande, die auch „Vergessene Insel” genannt wird, aber definitiv unvergessliche Momente liefert. Hier erwarten Besucher eine bunte Unterwasserwelt, jede Menge Ursprünglichkeit und eine Idylle, die Reisende sich nicht entgehen lassen sollten. Ein intaktes Korallenriff, exotische Fische und glasklares, warmes Wasser machen diesen Ort zudem zu einem Paradies für Taucher und Schnorchler. Das Highlight eines jeden Tauchtrips ist hier wohl das Flugzeugwrack, das vor der Isla Grande im Karibischen Meer liegt. Über Wasser kommen außerdem auch Kajakfahrer bei Touren durch die kleinen Lagunen der Insel auf ihre Kosten. Doch womit die Isla Grande wirklich glänzt – und das ganz wortwörtlich –, das ist die sogenannte Laguna Encantada. Schwimmt man in dieser, so beginnt es um einen herum zu funkeln. Verantwortlich hierfür ist das fluoreszierende Plankton, das bei Bewegung und Berührung aufleuchtet.

Punta Gallinas

Punta Gallinas ist nicht nur der nördlichste Punkt Südamerikas, sondern auch ein wahrhaftig magischer Ort, der seinen Besuchern spielend den Atem raubt. Auf einer etwa sechsstündigen Fahrt von Santa Marta aus erreichen Reisende eine Landschaft voller Wüste und Einsamkeit. Ein besonderes Highlight ist das Dorf Jabo de la Vela, das so viel mehr ist als nur ein einfaches Zwischenziel. An diesem ursprünglichen Ort herrschen nicht nur wunderbare Bedingungen zum Kitesurfen – auch können Besucher hier die Erfahrung des einfachen Lebens machen, denn Strom und Wasser sind nicht durchgängig verfügbar. Doch das wahre Highlight wartet am Kap Punta Gallinas, das mit einem kleinen Leuchtturm markiert ist. Der nördlichste Punkt des südamerikanischen Kontinents ist eine Reise allemal wert.

Tayrona-Nationalpark

Traumhafte Strände, das tiefblau schimmernde Meer, tropische Temperaturen und ganz viel Respekt für das, was Mutter Erde hier geschenkt hat: Das zeichnet den Tayrona-Nationalpark im Norden Kolumbiens aus. Besucher, die sich zum Ziel setzen, diesen Nationalpark Kolumbiens ausgiebig zu erkunden, sollten neben Neugier und Begeisterungsfähigkeit auch noch ein wenig Ausdauer im Gepäck haben, denn um von Strand zu Strand zu gelangen, müssen hier oft mehrere Kilometer zu Fuß zurückgelegt werden. Um vom Parkplatz zum Postkartenmotiv des Parks, dem Strand Cabo San Juan, zu gelangen, sollten Besucher gut und gern zwei bis drei Stunden einplanen. Aufgrund der Größe des Parks genießen viele die einzigartige Idylle dieses Ortes an mehreren Tagen – eine gute Entscheidung, denn so bleibt auch genügend Zeit, die weniger bekannten und deutlich ruhigeren Strandabschnitte zu erkunden, so etwa den Bereich La Piscinita, der sich ein wenig außerhalb des Wanderwegs versteckt. Besonders vormittags ist die von Granitfelsen und üppiger Vegetation geschmückte Sandbank noch kaum besucht.

Der Strand Cabo San Juan im Tayrona-Nationalpark bei Sonnenaufgang.

Kolumbiens Amazonasgebiet

Eine farbenfrohe Flora und Fauna, der längste Fluss der Welt und indigene Stämme, deren Lebensweise sich über die Jahrhunderte kaum verändert hat – das erwartet Besucher im Amazonas Kolumbiens. Reisende, die das kolumbianische Amazonasgebiet auf ihre Bucket List gesetzt haben, werden sich zuerst einmal in die Stadt Leticia im Dreiländereck Brasilien, Peru und Kolumbien aufmachen müssen. Da das Städtchen mitten im kolumbianischen Urwald versteckt ist, müssen Gäste per Flugzeug anreisen. Eine Wanderung im Amazonas-Regenwald ist nur mit lokalem Guide möglich, der Besucher auf den meist mehrtägigen Streifzügen entlang tierischer und pflanzlicher Wunder begleitet – und spätestens nach einigen lustigen Anekdoten nicht mehr wegzudenken ist: Dass die typische Pinkfärbung des Amazonasdelfins sich noch stärker zeigt, wenn den Tieren etwas unangenehm ist, sorgt für so manchen Schmunzler. Besucher können nicht nur tagsüber, sondern auch nachts dem Zauber des Amazonas nachspüren. Und wenn die staunenden Augen den ersten Leguan, das erste Faultier oder den ersten rosa Delfin treffen, ist das Glück perfekt.

Autorin: Berit Sellmann

Letzte Aktualisierung: 22. Juni 2022