Kein Strom, keine Technik, kein fließendes Wasser – fernab der Zivilisation lebt das Volk der Himba mitten in der Wüste Namibias. Reichtum bedeutet für sie viele Kinder und eine große Viehherde, gefolgt vom üppigen Schmuck der Männer und Frauen. Wer sind die Menschen des letzten halbnomadischen Volks Namibias und wie leben sie?

Das „rote Volk“ Die Himba in Namibia

Hoch im Norden Namibias leben die Himba. Fast neun Stunden Fahrt von Namibias Hauptstadt Windhoek müssen Interessierte für einen Besuch bei den Himba in Kauf nehmen. Die lange Reise aber lohnt sich allemal. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich das Provinzstädtchen Opuwo am Horizont auf. In der Stammessprache der Himba bedeutet es „Das Ende“ und irgendwie passt der Name zur Gegend. Nur rund 12.000 Einwohner leben an diesem staubigen Ort mitten in der Wüste Afrikas. Es gibt lediglich drei Tankstellen, drei Supermärkte, ein paar Kneipen und eine Lodge für Touristen.

Tiere in einer Siedlung der Himba in Namibia.
Die Himba in Namibia pflegen ihre Traditionen bis heute.

Ihrer Heimat inmitten der Wüste haben die Himba in gewisser Weise auch ihren Namen „rotes Volk“ zu verdanken. Denn zum Schutz vor der sengenden Sonne und der Austrocknung, aber auch aus Schönheitsgründen schmieren sich die Frauen des Stammes eine rote Paste auf den ganzen Körper und sogar in die Haare. Die ockerfarbene Paste besteht aus gemahlenem Roteisenstein und Vaseline oder traditionell Butterfett aus Ziegenmilch.

Die Frauen der Himba in Namibia sind bekannt für ihre Haare mit geflochtenen und rot eingecremten Strähnen.

Felsiges Gebirge und Sanddünen – Die Heimat der Himba

Das eigentlich Interessante an Opuwo ist das sogenannte Kaokoveld rundherum: ein trockenes Gebiet, das mit einer Fläche von knapp 50.000 Quadratkilometern ähnlich groß ist wie Costa Rica oder Niedersachsen. Felsige Gebirge, Sanddünen und dürre Vegetation – seit mehr als 500 Jahren sieht so der Lebensmittelpunkt der 20.000 bis 50.000 Himba aus, deren Vorfahren einst aus dem Nachbarland Angola kamen.

Über eine holprige Schotterpiste führt der Weg von Opuwo nach Westen. Dann querfeldein durch den kargen Busch bis zu einer Ansammlung von runden Hütten aus Ästen, Kuhdung und Stroh. Sie alle umgibt ein Zaun, der das kleine Dorf, auch Kraal genannt, markiert. Ein Kraal beherbergt zumeist eine Großfamilie. Wer die Himba besucht, der trifft jedoch meist nur auf Frauen und Kinder. Die Männer sind die meiste Zeit mit dem wertvollen Vieh in den Weidegründen. Der Großteil der Arbeit wie Ackerbau und Kochen bleibt den Frauen überlassen.

Dem Volk der Himba in Namibia gehören ca. 20.000 bis 50.000 Menschen an.

Üppiger Schmuck und Lendenschurz

Die Kleidung der Himba-Frauen besteht traditionell lediglich aus einem Lendenschurz aus Kalbsleder. Charakteristisch ist daneben auch das Tragen von opulentem Schmuck, besonders um Hals, Hand- und Fußgelenke. Die Haare sind kunstvoll geflochten und die Frisur symbolisiert den Stand der Frau innerhalb der Gemeinschaft.

Der Tourismus bringt nach und nach aber auch die westliche Kultur in die entlegene Wüste Namibias. Ab und an kleiden sich Himba-Männer in Fußballtrikots und anderer westlicher Kleidung, die Reisende ihnen geschenkt haben. Wer einen Beitrag zum Erhalt der jahrhundertealten Himba-Kultur leisten und den Kindern eine Freude machen möchte, dem sind Gastgeschenke wie Vaseline, Brot, Zucker, Mehl, Bleistifte und natürlich Süßigkeiten zu empfehlen.

Letzte Aktualisierung: 28. April 2020