Es gibt diesen einen Moment zu Beginn einer Reise, in dem sich ein tief empfundenes Gefühl einstellt: große Dankbarkeit, brennende Neugierde oder einfach nur überbordende Freude. So begrüßen Reisende, die offen für Menschen und fremde Kulturen sind, ein neues Land.

In Kolumbien gleicht dieses Gefühl einer innigen Umarmung. Denn so unterschiedlich die Menschen im geografisch viertgrößten Land Südamerikas bezüglich ihrer ethnischen Herkunft, Religion oder Sozialisation sein mögen, sie eint doch eines: bedingungslose Gastfreundschaft. Diese einladende Offenheit allen Fremden gegenüber ist im 50-Millionen-Einwohner-Land im äußersten Norden des südamerikanischen Kontinents kein Narrativ, sondern eine gelebte Willkommenskultur – und die wohl beliebteste Eigenschaft der Kultur Kolumbiens.

Pure Lebensfreude – die Mentalität der Menschen in Kolumbien

„Armut zerstört keine Tugend, noch verleiht Reichtum sie“, lautet ein bekanntes kolumbianisches Sprichwort. Und es passt zu der positiven Lebenseinstellung der Menschen in Kolumbien. Denn: Obwohl das jährliche Durchschnittseinkommen mit 6.110 US-Dollar nicht hoch angesetzt ist, empfinden die Einheimischen das Leben in ihrem von reichen Naturschätzen beschenkten Land als großes Privileg. So landet Kolumbien im jährlichen „World Happiness Report“, der die Zufriedenheit der Bevölkerung im jeweiligen Heimatland untersucht, regelmäßig unter den Top-3-Nationen weltweit.

Lachende Menschen in Kolumbien in traditioneller Kleidung.

Und das, obwohl es bei der Transformation des ehemaligen Kolonialstaats zur modernen Republik immer wieder Probleme gab und gibt. Korruption und der Einfluss mächtiger Drogenkartelle, die unter Pablo Escobar in den 80er-Jahren von Medellín aus den weltweiten Kokainhandel beherrschten, torpedierten immer wieder eine nachhaltige Demokratisierung des Landes. Obwohl die Schrecken des Terrors der Vergangenheit angehören, haben sie sich doch tief in das kollektive Bewusstsein der Menschen eingebrannt. Ausgeprägter Familiensinn, enge soziale Bande und der Wunsch nach Versöhnung haben den Kolumbianern dabei geholfen, diese dunklen Zeiten zu überstehen. Heute blickt ein Großteil der Bevölkerung wieder optimistischer in die Zukunft.

Typisch Kolumbien – Salsa gibt den Takt vor

Die überbordende Lebensfreude ist im Land zwischen Pazifik und Karibik allgegenwärtig: Die Columbianos finden eigentlich immer einen Grund zu feiern. Die Salsa – das erfährt jeder Reisende während seines Aufenthalts – gehört zu jeder guten Fiesta und zum Leben dazu! Fast scheint es, als würden sich die Menschen tänzelnd durch den Alltag bewegen. Nicht nur in der heimlichen Salsa-Hauptstadt Cali mit ihren mehr als 90 Salsa-Tanzschulen tönen bei Tag und bei Nacht lateinamerikanische Rhythmen aus Cafés, Bars, Parks und den Fenstern der umliegenden Wohnhäuser.

Der typische Mix afrokaribischer und europäischer Musikstile scheint ein ganzes Land anzutreiben. Für die Menschen hier ist die kolumbianische Salsa viel mehr als nur ein Tanz, sie ist Teil ihrer kulturellen Identität und dient als Kitt einer heterogenen Gesellschaft, in der die Mestizen – Nachkommen von Europäern und der indigenen Bevölkerung – mit 47 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe stellen.

Und so mischt sich der treibende Rhythmus immer wieder unter die Kakofonie der Straßen großer Metropolen wie Bogotá, Medellín oder Cali – bis hinein in die Provinzen um Leticia im äußersten Süden oder Santa Maria im Norden der knapp 1,14 Millionen Quadratkilometer großen Republik. Kein Wunder also, dass kolumbianische Profitänzer regelmäßig die seit 2003 ausgetragenen Salsa-Weltmeisterschaften in den „Latino Style“ oder „Columbian Style“ genannten Stilrichtungen dominieren. Reisende, die nicht selbst im Viervierteltakt das Tanzbein schwingen wollen, sollten sich eine der zahllosen Salsa-Shows nicht entgehen lassen. Ihren jährlichen Höhepunkt erreichen Musik und Tanz zum Karneval von Februar bis März. Allein in der Karnevalshochburg Barranqilla, an der karibischen Küste im Norden des Landes, bewundern dann mehr als eine Million Besucher das bunte Treiben auf den Straßen.

Kolumbianische Frauen in traditioneller Kleidung beim Salsa-Tanzen während des Karnevals.

Kulturelles Erbe – manches kommt einem spanisch vor

Die Landessprache Kolumbiens ist Spanisch und wird von 99 Prozent der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen. Die Aussprache der Andenbewohner gilt als klarstes und deutlichstes Spanisch ganz Lateinamerikas und ist auch für weniger geübte Ausländer gut verständlich. Lediglich einige indigene Stämme, deren Anteil heute weniger als 3 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, sprechen ihren eigenen Dialekt.

Neben der Sprache brachten spanischen Konquistadoren ab dem 16. Jahrhundert zahlreiche heimische Bräuche und Sitten in den Andenstaat, die heute fester Bestandteil der Kultur Kolumbiens sind. So gehören heute gut 90 Prozent der Kolumbianer dem christlichen Glauben an, mehr als 70 Prozent von ihnen sind römisch-katholisch. Mächtige Kolonialbauten in den großen Metropolen Bogotá, Medellín oder Cali sind bis heute stille Zeugnisse spanischer Kolonialherren. Erst 1819 erklärte sich das Land nach heftigen Kämpfen gegen die spanischen Besetzer für unabhängig. Seit 1898 trägt es seinen heutigen Namen: República de Colombia.

Das Parlament Kolumbiens in der Hauptstadt Bogotá.

Kulinarische Vielfalt – Kolumbiens reich gedeckter Tisch

So vielfältig sich die Topografie des Landes darstellt, so abwechslungsreich zeigt sich auch die kolumbianische Küche. Von einfachem Streetfood bis zur gehoben Gourmetküche hat das Land – passend für jeden Geschmack und Geldbeutel – einiges zu bieten.

Kolumbianische Gerichte reichen weiter als die in Europa bekannten „Arepas“, „Empanadas“ und „Chicharrón“. Unbedingt probieren sollten Reisende die schmackhaften „Patacones“, frittierte Kochbananen, die in Verbindung mit leckeren Soßen einfach köstlich schmecken.

Neben frischem Obst und Gemüse hält das Meer eine Vielzahl maritimer Köstlichkeiten bereit. Besonders beliebt bei den Einheimischen sind Rotbandbrasse, Buntbarsche und Forellen aus den Bergflüssen der Anden. Die Fische werden meist im ganzen Stück gegrillt, gebraten oder frittiert und mit Koriander, Knoblauch, Pfeffer und Salz fein abgeschmeckt.

Das typische „Comida Corriente“, das man im ganzen Land findet, besteht meist aus einem Stück Fleisch vom Rind oder Huhn mit etwas Gemüse als Beilage. Außerdem wird oft „Sancacho“, eine Suppe aus Kochbananen und Bodenfrüchten, Reis oder „Arepa“ – Maisfladen als Ersatz für Brot – sowie ein bisschen „Salsa de Aji“ (Pfeffersoße) serviert.

Natürlich fehlt es einem Land mit einer schier unerschöpflichen Pflanzenvielfalt nicht an exotischen Früchten. Neben Erdbeeren, Bananen, Avocados sowie Maracujas wachsen in Kolumbien auch für Europäer eher unbekannte Früchte wie Andenbeeren, Baumtomaten oder Guaven – ein Gewächs aus der Familie der Myrten, dessen Frucht einen süßsauren Geschmack bietet. Sie alle kommen hier direkt vom Erzeuger und sollten deshalb unbedingt probiert werden.

Neben der bodenständigen regionalen Küche bieten die gehobeneren Restaurants in den großen Metropolen längst auch internationale Speisen wie Sushi, Hummer oder Austern für feinere europäische Gaumen an. Eine landestypische Delikatesse für „besonders Mutige“ soll hier nicht unerwähnt bleiben: Denn in einigen Regionen finden Reisende tatsächlich „Cuy“ (Meerschweinchen) auf der Speisekarte heimischer Restaurants. Das zarte Fleisch der kleinen Nager soll geschmacklich am ehesten dem eines Hasen ähneln.

Das typische kolumbianische Essen "Comida Corriente".

Kaffee der Spitzenklasse

Neben den köstlichen Speisen gehört vor allem ein flüssiges Lebensmittel zur Kultur Kolumbiens: Kaffee. Die große Tradition des Kaffeeanbaus geht auf die Jesuiten im 18. Jahrhundert zurück. In einigen Quellen aus dieser Zeit heißt es, dass Pater Francisco Romero einen bedeutenden Anteil an der Verbreitung des Kaffeeanbaus hatte: Der Priester soll Gläubigen zur Buße das Anpflanzen von Kaffee befohlen haben. Später fand der Anbau dann auf großen Farmen und Landgütern statt. Fruchtbare Böden und das milde Hochlandklima sorgten dafür, dass sich Kaffee bereits im 19. Jahrhundert zum wichtigsten Exportgut des Landes entwickelte.

Heute gehört Kolumbien mit mehr als 830.000 Tonnen pro Jahr zu den drei größten Kaffee-Exporteuren weltweit. Aber nicht nur die Quantität der produzierten Ware ist beeindruckend, sondern auch die Qualität. Vor allem die Edelsorte „Arabica“ erfreut sich überall auf dem Globus großer Beliebtheit. Sie zeichnet sich durch edlen Geschmack, einen geringeren Koffeingehalt und Noten von Frucht, Blumenaromen und Säure aus.

Der teuerste Kaffee Kolumbiens stammt von einer kleinen Farm im Kreis Suaza (Department Huila). Hier in den östlichen Ausläufern der Anden, die das Land von Norden nach Süden durchziehen, finden die Pflanzen von Farmer Isais Cantillo auf 1800 Meter Höhe perfekte Bedingungen vor: Es ist feucht genug und nicht zu heiß. Das Geheimnis der außerordentlichen Qualität der Ernte, die bei Auktionen mit bis zu 19,20 US-Dollar pro Pfund schon mal den 17-fachen Wert herkömmlicher Erzeugnisse einbringt, liegt allerdings in der aufwendigen manuellen Ernte. Maschinen sucht man auf dieser traditionsreichen Farm vergebens. Jeden Morgen werden die Früchte zunächst per Hand gesäubert und anschließend nur die reifen Kirschen geerntet. Das sorgt für den charakteristischen Geschmack von Cantillos Kaffeebohnen, dessen Kaffee von Kennern im Lateinamerika-Portal „Alavia” wie folgt beschrieben wird: „Er duftet nach Jasmin. Seine brillante Säure, der ausgewogenen Körper mit süßlichen Vanille- und Karamellaromen sowie feinen Nuancen von Zitrusfrüchten und einem intensiven, langen Abgang verwöhnen den Gaumen des Kenners.

Nicht nur Kaffeeliebhaber sollten unbedingt einen Abstecher ins sogenannte Triángelo del Café, das berühmte „Kaffeedreieck“, etwa 200 Kilometer östlich von Bogotá gelegen, machen. Diese atemberaubende Region ist zurecht Teil vieler Kolumbien Rundreisen.

Kaffeekirschen bei der Ernte in Kolumbien.

Kolumbianische Volkshelden – ein bedeutender Anteil der Kultur Kolumbiens

Jedes Land hat seine Idole. Kolumbien bildet da keine Ausnahme. Auch hier gibt es nationale Vorbilder und Role Models, die künftige Generationen beeinflussen und inspirieren. Der vielleicht bekannteste (musikalische) Exportschlager ist Shakira – mit bürgerlichem Namen Shakira Isabel Mebarak Ripoll. Die Latina hat in ihrer langen Karriere weltweit  mehr als 78,6 Millionen Tonträger verkauft. Einem Milliardenpublikum wurde sie unter anderem durch ihren gemeinsamen Auftritt mit Kollegin J.Lo in der Halbzeitshow des Super Bowl LIV in Miami 2020 bekannt.

Als erfolgreichste Schauspielerin des Landes gilt Sofía Margarita Vergara, die wie Shakira aus Barranquilla stammt. Laut  „Forbes”-Liste kommt das frühere Model auf ein Jahreseinkommen von mehr als 40 Millionen US-Dollar und darf sich inoffiziell als bestbezahlte Seriendarstellerin der Welt bezeichnen. Nicht nur aufgrund ihrer kommerziellen Erfolge genießen die beiden berühmten Frauen in der Heimat ein hohes Ansehen. Weil sie sich in zahlreichen Hilfsprojekten und Förderprogrammen für die Ärmsten der Armen im Land engagieren, gelten sie als echte Vorbilder.

Wie in anderen südamerikanischen Staaten auch kennt die Sportbegeisterung in Kolumbien keine Grenzen. Erfolgreiche Sportler wie Formel-1-Fahrer Juan Pablo Montoya oder Radprofi Egan Bernal werden in der Heimat wie Helden verehrt. Die größte Leidenschaft der Columbianos gehört aber dem Fußball – und speziell der Nationalmannschaft. Wenn „Los Cafeteros“, so lautet der Spitzname des Teams, um internationale Ehren kämpft, sitzt ein ganzes Land vor den Fernsehern. Legendäre Spieler wie Carlos Valderrama oder René Higuita aus der „goldenen Generation“ der 80er- und 90er-Jahre kennt in Kolumbien jeder. Die heutigen Helden hören auf Namen wie Radamel Falcao (unter anderem Atlético Madrid), James Rodriguez (etwa Real Madrid) oder David Ospina (SSC Neapel). Und bei ihren Siegen umarmt sich dann ein ganzes Volk.

Autor: Jan Brockhausen

Letzte Aktualisierung: 15. Juni 2022

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