Pura Vida! Costa Rica, das tropische Naturparadies zwischen Pazifik und Karibik, ist ein absolutes Trendreiseziel und ein Eldorado für Natur- und Tierbegeisterte. Welche Highlights auf keiner Costa Rica-Reise fehlen dürfen, welche Tiere sich wo am besten beobachten lassen und was das Nationalgericht der Ticos ist – all das und vieles mehr erzählt itravel-Reiseberater Sven Schaefers in unserem Expertengespräch über Costa Rica.


ITRAVEL: Erst einmal vielen Dank, dass Du als Reiseexperte für Costa Rica dabei bist und herzlich willkommen. Wir haben eben schon einmal kurz gesprochen, da hast Du mir Dein T-Shirt gezeigt. Was ist darauf?

REISEEXPERTE SVEN SCHAEFERS: Hallo und „Pura Vida“ zusammen! Auf dem T-Shirt sind kleine Tukane. Dem Anlass entsprechend ist das auch aus Costa Rica. Ich habe es in dem Ort Tamarindo gekauft, an der nord-westlichen Pazifikküste. Der Laden ist sehr zu empfehlen, den gibt es bestimmt immer noch. Es gibt nur eine große Einkaufsstraße.

Wenn ich an Costa Rica denke, denke ich an Plantagen, Tiere, Strand und Meer, Grün – ist das für Dich, der schon einmal dort gelebt hat, richtig, oder sind das nur die Vorstellungen von jemandem wie mir, der noch nie dort war?

Deine Vorstellungen passen auf jeden Fall. Ich würde wahrscheinlich nicht an Plantagen denken. Aber wenn man im Supermarkt schaut, wo die Ananas herkommt, dann wird es in Deutschland schwierig, eine Ananas zu bekommen, die nicht aus Costa Rica ist. Es gibt also sicherlich viele Ananasplantagen, aber auch alles Weitere, was Du genannt hast, trifft zu. Ich würde zudem direkt an Vulkane denken, weil ich einfach ein Faible dafür habe. Insgesamt fassen Tierwelt und vielfältige Landschaften alles gut zusammen. Und dabei ist Costa Rica gar nicht so ein großes Land. Es ist von beiden Seiten von Meer umgeben, einmal vom karibischen Meer und einmal vom Pazifik.

Die traumhafte Küste Costa Ricas, die auch in diesem Expertengespräch erwähnt wird.

Was unterscheidet die beiden Meeresseiten voneinander? Hast Du eine Lieblingsseite? 

Ich würde mich eindeutig für die Pazifikseite entscheiden. Das hat einerseits mit den Stränden zu tun, die ein bisschen weitläufiger sind, andererseits aber auch mit der Brandung – man kann hier surfen. Nicht, dass ich dazu fähig bin, aber man hat das natürlich mal ausprobiert. Außerdem hat die Wahl meiner Lieblingsseite mit den Bekanntschaften zu tun, die man im Land gemacht hat.

Die Karibikseite ist eher für Tierbeobachtungen geeignet. Ganz im Nordosten gibt es den Ort Tortuguero. Jemand, der sich mit dem Land befasst, wird sofort wissen, um was es geht – hier können Reisende Schildkröten beobachten, vor allem bei der Eiablage beziehungsweise beim Schlüpfen. Das ist ein großes Naturspektakel. Im Südosten, im Schutzgebiet Manzanillo, sind zum Beispiel Ameisenbären zu sehen. Die Schutzgebiete ziehen ihren Reiz aus dem Zusammenspiel zwischen Land und Wasser. Das macht die Regionen besonders. Wer am Ende einer Reise bei einem Strandurlaub relaxen will, dem würde ich aber wieder die Pazifikseite empfehlen.

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Meeresseiten ist geschichtlich bedingt. Zur Zeit des Sklavenhandels wurden Afrikaner auf die Plantagen verschleppt – sie kamen auf der Karibikseite an und sind dort auch immer noch ansässig. Das spiegelt sich heute noch in der Hautfarbe der Bevölkerung und in der Sprache wider: Zum Teil ist Englisch, also kreolisches Englisch, vorherrschend.

Eine Schildkröte im Nationalpark Tortuguero in Costa Rica.

Du hast eben von Tierbeobachtungen gesprochen. Ich weiß, dass Du bei Deiner letzten Costa Rica-Reise mit Deiner Tochter sogar Wale beobachtet hast. Ist das etwas, das man auf jeden Fall machen sollte? Gibt es bestimmte Jahreszeiten, die man hierfür beachten muss?

Ja, es gibt Zeiten zu beachten, vor allem bei der Walbeobachtung. Auf der Pazifikseite von Costa Rica gibt es südwestlich gelegen den Meeresnationalpark Marino Ballena in der Nähe von Uvita. Dorthin zieht es die Wale, vorrangig Buckelwale, um ihre Jungen in den warmen Gewässern zu bekommen. Das ist ein wahres Naturschauspiel. Die Wale ziehen zwei Mal im Jahr dort entlang, ansonsten treibt es sie nach Norden. Es gibt also zwei Migrationszyklen – etwa um den Jahreswechsel herum und dann zwischen August und Oktober.

Kommen wir noch einmal auf die Reisezeit zu sprechen. Es gibt in Costa Rica auch eine Regenzeit – die ist aber wohl nicht vergleichbar mit der dramatischen Regenzeit, wie man sie aus Asien kennt. Was bedeutet Regenzeit in Costa Rica?

Mit Südostasien sollte man die auf keinen Fall vergleichen. Man sollte die Regenzeit in Costa Rica als grüne Saison sehen. Es gibt einen, manchmal zwei ergiebige Regengüsse am Tag, oftmals um die Mittagszeit. Dadurch, dass es sehr schwül werden kann, ist der Regen auch angenehm. Es ist zudem oft so, dass der Himmel direkt danach wieder aufreißt und es genau so schön ist wie davor.

Wenn man zur Regenzeit Fahrten über Land macht, ist rechts und links der Straßen alles grün und nochmal üppiger, die Vegetation ist noch einmal schöner. Wenn man zwischen Januar und bis in die Osterzeit hinein in Costa Rica unterwegs ist, ist es nicht so grün. Im Gegenteil, da können Landstriche auch mal schnell verdorren. Natürlich gibt es aber auch viele, immergrüne Landstriche. Allerdings – Orte zu verschiedenen Jahreszeiten zu sehen, kann erstaunlich sein. Die Erfahrung habe ich selbst schon gemacht.

Das Nationalgericht Gallo Pinto mit Reis und Bohnen wird in Costa Rica typischerweise zum Frühstück gegessen.

Kommen wir auf das Thema Essen. Gibt es ein Nationalgericht von Costa Rica?

Das Nationalgericht Costa Ricas nennt sich Gallo Pinto. Man könnte es mit gefleckter Hahn oder angemalter Hahn übersetzen. Im Wesentlichen ist das Reis mit Bohnen – das wird zum Frühstück mit etwas Zwiebeln, Knoblauch und Bratpaprika in der Pfanne gebraten. Es ist nicht flüssig, sondern eher trocken. Den Ticos, den Costa Ricaner, wie sie sich selbst nennen, ist das manchmal auch etwas zu trocken, weshalb sich einige einen Löffel Natillas dazugeben – das ist eine Art saure Sahne. Also schon ein gehaltvolles Frühstück. Je nachdem, ob man das typische Frühstück in Restaurants oder Hotels bekommt, gibt es neben dem Gallo Pinto oftmals noch Stücke frittierten Käse, meistens weißen Käse, ähnlich wie Feta, sowie Rühr- oder Spiegeleier und gebratene Kochbananenscheibchen. Und das ist alles sehr lecker. Bei den Kochbananen gilt: Je älter, also überreif, desto süßer sind sie. Das bringt einen gut über den Tag.

Apropos Bananen: Ich habe mal ein Video gesehen von einem Vogel, der Oropendola, der eine ganze Banane in einem verschlingt. Ist die Tierwelt dort, wie man sich das so vorstellt, zum Anfassen nah?

Ja, also die Oropendolas können in der Tat eine ganze Banane verschlingen. Diese Vögel würde ich aber jetzt gar nicht nennen, sondern eher die Tukane mit ihrem bunten Schnabel. In der Vogelwelt Costa Ricas stechen sie einfach hervor. Außerdem der Quetzal als bunten Paradiesvogel, den man in Costa Rica noch sehr gut sehen kann – ganz im Gegensatz zu Nicaragua, wo er sogar der Nationalvogel ist. Die Tierwelt bzw. die Vogelwelt kann man in Costa Rica also sehr gut beobachten. Viele Vögel können auch leicht angelockt werden: Wenn irgendwo eine Banane rumliegt oder anderes Obst, ist es eine Freude zu beobachten, wie sie danach picken. Dazu dann noch im Hintergrund ein Konzert von Brüllaffen – wer dieses Geräusch im Übrigen nicht kennt, das Konzert aber morgens früh um fünf Uhr losgeht, für den ist das sicherlich seltsam. Denn die Schreie eines Brüllaffen würde man nicht unbedingt einem Affen zuordnen.

Der Quetzal Vogel in Costa Rica.

Abseits von Tierbeobachtungen – was sind die Top-Highlights in Costa Rica, die man gesehen haben muss? Das sollte in einem Expertengespräch über Costa Rica schließlich nicht fehlen.

Es wäre auf jeden Fall zu schade, die Zeit eines Costa Rica-Urlaubs nur am Strand zu verbringen. Natürlich kann man die Tage am Ende der Reise als Entspannungstage nutzen, aber Costa Rica bietet sich schon an, um aktiv entdeckt zu werden. Tierbeobachtungen und Naturerfahrungen sollten also auf jeden Fall dabei sein.

Zu den drei Highlights für die erste Reise nach Costa Rica zählt auf jeden Fall der Nationalpark Tortuguero, den ich schon genannt habe. Die Besonderheit liegt vor allem darin, dass man nicht einfach mit dem Auto dorthin kommt. An einem gewissen Punkt muss man auf ein Boot umsteigen, mit dem man dann eine gute Stunde durch ein kanalartiges Delta-Fluss-System fährt. Das ist an sich schon ein Erlebnis, denn die Chancen stehen gut, rechts und links Krokodile zu sehen, die sich sonnen. Oder aber es kann passieren, dass das Boot aufsetzt, da in den wilden Flüssen sehr viel Treibholz unterwegs ist.

Zu den Highlights Costa Rica zählt weiterhin der Arenal-Vulkan, allein weil er perfekt geschwungen ist und einen super Vulkankegel hat. Das muss man einfach sehen – ein beliebtes Fotomotiv.

Als drittes Highlight würde ich Monteverde nennen. Ein Nebelwald, der von der Vegetation her wieder ganz anders ist. Dort kann es nachts mit rund 20 Grad vergleichsweise kühl werden. Mit diesen drei Sehenswürdigkeiten hat man von Costa Ricas Landschaft, von der Vielfältigkeit schon viel abgedeckt. Natürlich ließe sich das Programm noch erweitern. Aber wenn man diese drei Orte besucht und jeweils zwei oder drei Nächte verbringt – die erste Nacht nach Ankunft bleibt man sowieso immer in San José – und dann die restlichen Tage am Strand entspannt, dann hat man schon eine schöne zweiwöchige Costa Rica-Reise erlebt.

Der Vulkan Arenal ist der aktivste Vulkan Costa Ricas.

Costa Rica hat sich in den letzten Jahren immer mehr als nachhaltiges Reiseziel hervorgetan. Wie zeigt sich das im Land und ist das etwas, worauf die Einheimischen auch wirklich Wert legen?

Der Großteil der Einheimischen sieht sich als Naturalista, als Umweltschützer. Das kommt nicht von ungefähr: Circa ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz. Allerdings ist es gleichzeitig genauso wie hier: Leute werfen ihren Müll einfach weg. Für Lateinamerika ist das Land aber schon sehr weit in diesen Dingen. Nachhaltigkeit wird staatlich gefördert und eben auch propagiert. Costa Rica hat weit vor vielen anderen Ländern ein Nachhaltigkeitszertifikat eingeführt, ohne welches touristische Betriebe nicht weit kommen. Es gibt eine Studie, die ich von einem meiner Professoren an der Uni bekommen habe, der sich mit Eco-Tourismus beschäftigt. Es gibt eine kleine Fluggesellschaft Nature Air – eine inländische Fluggesellschaft, die schon vergleichbar lange einen niedrigen ökologischen Fußabdruck hat, obwohl sie ja eher in einem Gewerbe ist, in der ein hoher Fußabdruck üblich ist. Es gibt also viele Dinge, bei denen sich Costa Rica sicherlich mit anderen Grünen-Playern messen kann, obwohl es eigentlich so ein kleines Land ist.

Zum Ende noch eine Runde Rapid-Fire-Questions. Wofür steht Costa Rica in Deinen Augen mehr?

Aktiv oder entspannt? Aktiv

Rundreise oder an einem Ort bleiben und Tagesausflügen unternehmen? Rundreise

Mit oder ohne Kinder reisen? Mit Kindern

Privat geführt oder Selbstfahrer? Selbstfahrer – das macht das Abenteuer auch aus, wenn man mit dem Mietwagen selbst unterwegs ist. In Costa Rica funktioniert das von der Infrastruktur her auch sehr gut, auch wenn man nicht unbedingt Spanisch spricht.

Also kommt man auch mit Englisch gut zurecht? Auf jeden Fall

Karibik- oder Pazifikseite? Pazifik

Wale oder Schildkröten? Eindeutig Wale

Im Gespräch: Pia Gassner & Sven Schaefers

Letzte Aktualisierung: 19. Juni 2020